Buchtipp der Woche

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Chris Roberts: Heath Ledger. Die illustrierte Biographie.
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag; 16,90 Euro.

Es war zu erwarten: In seiner letzten Rolle spielte Heath Ledger schon kurz nach dem Kino-Start Rekordsummen ein. Das dürfte zum Deutschland-Start von The Dark Knight nicht anders werden. Genau genommen muss es an dieser Stelle heißen: leider – weil es ein posthumer Ruhm für einen früh gestorbenen Schauspieler ist.

Sehr ernst genommen hat er seine Arbeit, das sagen alle, die mit ihm gedreht haben. Die oben erwähnten Rekordsummen hätte er sich allerdings beizeiten sichern können und wesentlich bequemer. Das Rezept Jung, gutaussehend, gefragt hätte ihm nach einem ersten Durchbruch in 10 Dinge, die ich an dir hasse gute Gagen gesichert. Immerhin wurden ihm etliche Rollen gleichen Strickmusters angeboten. Ledger wollte es anders und nutzte die früh gewonnene Anerkennung, um sich in möglichst verschiedenen Rollen auszuprobieren. Unterstützung bekam er – indirekt, aber effektvoll – aus Deutschland: Die Rolle des Jacob Grimm, in einer Fantasy-Adaption des Lebens der als Märchensammler und -überlieferer bekannt gewordenen in Hanau geborenen Brüder Grimm, wies ihn als nicht nur smart, sondern eben auch wandlungsfähig aus. Und jene Rolle, die ihm eine Oscar-Nominierung eintrug, war zuvor von verschiedenen Schauspielerkollegen abgelehnt worden: Heath Ledger ging das Risiko ein, den verschlossenen, wortkargen Cowboy Ennis Del Mar zu spielen, für den sein buddy Jack Twist mehr ist als nur ein sehr guter Freund. Das Entsetzen über schwule Cowboys hielt sich indes in Grenzen, auch Ledger selbst fand diese Etikettierung für die Filmfigur Ennis nicht unbedingt treffend. Risiko hin, Oscar her – mehrheitlich wurde der Film Brokeback Mountain ohnehin als ein Film über die Liebe schlechthin verstanden. Love is a force of nature – Liebe ist eine Naturgewalt

Mit dem Weltruhm kamen die Paparazzi – und sie hat Heath Ledger regelrecht verabscheut, sich dem Kampf der Sensationsfotografen um sein Privatleben entzogen, so gut das ging. Unverändert ehrgeizig wählte er indes seine Rollen aus – für Casanova, für I'm Not There, zuletzt den Joker in The Dark Knight. Privat ein zurückhaltender Mensch, der am Surfen ebenso viel Gefallen fand wie am Schachspiel, bot er der Sensationspresse keinen Stoff, der für fette Skandale getaugt hätte. In der Nacht, da seine Oscar-Nominierung bekannt wurde, galt seine Sorge ausschließlich seiner damals drei Monate alten Tochter, die in kurzen Abständen wach wurde und beruhigt werden musste.

Manche Journalisten scheinen ihm das unspektakuläre Privatleben verübelt zu haben; umso respektloser wirkte manche Berichterstattung nach Ledgers plötzlichem Tod im Januar 2008. Las man manche Gerüchte, die da lanciert wurden, mochte man die Aversionen des jungen Schauspielers gegen eine bestimmte Sorte Presse nur zu gut verstehen. Heath Ledgers Tod als eine Folge verschiedener verordneter Medikamente gab Anlass zu Drogen- und anderen Spekulationen. Bestätigt hat sich, wen wundert es, keine davon.

Chris Roberts beteiligt sich weder an Spekulationen, noch interessiert ihn die Intimsphäre des mit knapp 29 Jahren verstorbenen Schauspielers. Er zeichnet den Weg eines jungen Mannes nach, der mit ein paar Cent in der Tasche seine Laufbahn begann, sich seinen frühen Ruhm diszipliniert earbeitete und über alledem kein Streber oder Besessener war, sondern ein Mensch, der auch Freude am Leben hatte. Gerade letzteres zeigen die zahlreichen – teils großformatigen – Abbildungen. Dass auch die fröhlichen Szenen im Buch keine fröhliche Stimmung aufkommen lassen, liegt nicht am Buch, sondern in der Natur der Sache.

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