CD-Tipp der Woche

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Rufus Wainwright: Yellow Lounge. (DGG)

Gegen alle Hörgewohnheiten: DJs legen live im Club klassische Musik auf – das ist die Yellow Lounge, die im Berliner Nachtleben längst Kultstatus erreicht hat. Seit einigen Jahren veröffentlicht die Deutsche Grammophon klassische DJ-Sets aus der Yellow Lounge unter ihrem gelben Label. Nun konnte zum ersten Mal ein bedeutender Popkünstler für dieses CD-Projekt gewonnen werden: Rufus Wainwright.

Und der hat einige Überraschungsmomente parat. Von Bach bis Schnittke reicht die Bandbreite von Rufus Wainwright. Im vergangenen Jahr vor allem bekannt geworden als Beitragender zum countrybetonten Soundtrack von Brokeback Mountain, geht er hier völlig andere Wege, was er selbst aber keineswegs spektakulär sieht: Ich bin zuallererst Melodiker – einige der ausgewählten Stücke sind zwar sehr vielschichtig und manche rühren an die Grenzen der Tonalität, aber dennoch sind es alles Stücke mit Motiven, die man singen oder sogar beiläufig summen könnte. Ich habe mich auf das konzentriert, was ich selber auch am liebsten mag – Musik, die zwar mit einem Fuß auf einem sehr komplexen Spannungsfeld, mit dem anderen aber auf einer ganz natürlichen Harmonik steht.

Das ist ein gutes Motto, um die Kulminationspunkte der Zusammenstellung zu beschreiben, das Rex tremendae aus Verdis Requiem (Tr. 5), das Finale des ersten Aktes aus Tosca (Tr. 9) und das Finale der Salome von Richard Strauss (Tr. 16). Doch dazwischen gibt es immer wieder ganz ruhige, fast meditative Stücke: Auf Verdis Requiem folgt ein langsamer Satz aus den Sonnen-Quartetten von Haydn, auf das Drama der Tosca das Andante aus Elgars Enigma-Variationen. Es sind starke Kontraste und ihre stimmige Verbindung in Form einer wellenartig auf- und abbrandenden, endlosen Melodie, die dieses Klassik-DJ-Set bestimmen.

Wenn das letzte Stück der Compilation verklungen ist, folgt noch eine Überraschung: Zwei von Rufus Wainwrights eigenen Songs, für diese CD arrangiert für Klavierquartett, eingespielt vom Fauré Quartett. Kleine, ungemein reizvolle Miniaturen, die für einen beschwingten Ausklang sorgen. Ich war sehr beeindruckt von ihrer Interpretation, weil sie einerseits genau den Kern getroffen, aber andererseits auch etwas Neues damit gemacht haben, sagt Rufus Wainwright. Und der Melodiker in mir hat es natürlich sehr genossen, die Songs einmal ohne Worte zu hören.

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