CD-Tipp der Woche

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Mika: Life In Cartoon Motion. (Universal)

Was drauf steht, ist auch drin: So bunt wie das Cover aussieht, hört sich auch die CD an. Frei nach dem Motto Schrill, schriller, Mika: Das Leben ist ein Cartoon, und der gerade mal 24-jährige Sänger schreibt den Soundtrack dazu. Die Scissor Sisters dürfen sich gerne etwas verwundert die Augen reiben, denn Mika wandelt vortrefflich auf ihren Spuren. Von der Hit-Single Grace Kelly über Lollipop führt er nicht weniger als zehn Ohrwürmer auf. Dabei war der Mann zu der Zeit, die er mit dieser CD hemmungslos zurückholt, noch gar nicht auf der Welt. Der Falsett-Gesang macht den Bee Gees zu Saturday Night Fever-Zeiten alle Ehre, reichlich Pop und Disco sind dabei (Le Freak von Chic kann man mit etwas Phantasie heraushören), und das Ganze wirkt, als sei es aus purer Lust und Laune heraus mal eben im Studio aufgenommen worden.

Rückblick: 1978 hatte ein Musikproduzent namens Jacques Morali Furore gemacht, als er eine Musikgruppe nach recht eigenwilligen Kriterien zusammenstellte – jedes Mitglied sollte einen bestimmten (amerikanischen) Männer-Macho-Typus symbolisieren. Das Ganze nannte sich Village People, die Musik stimmte auch noch und stürmte als Debüt-Single YMCA gleich die Charts. Ein Jahr später verfuhr Ralph Siegel – erst kürzlich mit dem ECHO ausgezeichnet – genau nach diesem Rezept, castete Dschinghis Khan und brachte sie beim in Israel ausgetragenen Grand Prix Eurovision (heute: Eurovision Song Contest) auf Platz vier. Was ein mehr als respektables Ergebnis war nach einem deutschsprachigen Dauer-Abo auf hintere Ränge – und anfänglichen Kritiker des ganz und gar undezenten, bunten Dschinghis Khan-Aufretetens die Sprache nahm. Zumal die Gruppe überwiegend aus gestandenen Musikern bestand und über Jahre hinweg für eine ganze Hit-Serie gut war

Gewisse Parallelen sind nicht zu übersehen: Sein Outfit passt Mika ganz konsequent seiner Song-Sammlung an. Eine Hit-Serie könnte Mika auch passieren, denn sein Debüt ist eine CD, die man nicht mehr aus dem Ohr bekommt – eine Schwäche für fein produzierten Pop muss man dafür allerdings schon mitbringen. Dann ist das Debüt-Album aber auch ein absolutes Muss für den CD-Player (nicht nur) im Auto.

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