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Michael Tetzlaff: Ostblöckchen. Eine Kindheit in der Zone. Piper Verlag; 7,90 Euro.

Michael Tetzlaff wurde 1973 in der DDR geboren – so, wie sein Namensvetter Alfred in der Bundesrepublik. Bloß war Alfred bei seiner Geburt schon Ende vierzig und ein ausgesprochener Stinkstiefel. Ein Herz und eine Seele war er mit Ehefrau Else, Tochter Rita und Schwiegersohn Michael so gut wie nie. (Michael übrigens hieß mit Nachnamen Graf). Alfred wußte nichts, aber alles besser, konnte viel, aber nur mit seinem losen Mundwerk. Zu Alfreds bevorzugten Haßobjekten gehörte die DDR, die er konsequent nur als Zone bezeichnete. Auf die Namensparallele nimmt in diesem Buch außer dem Untertitel auch ein amüsantes Vorwort Bezug.

Denn Michael Tetzlaff ist kein Stinkstiefel, sondern ein ganz normaler Junge, der in der DDR heranwächst und sie mit wachen Augen zu ergründen versucht. Und schon ergibt sich doch noch eine Gemeinsamkeit zwischen beiden Tetzlaffs. So gnadenlos, wie Alfred seinen Zeitgenossen einen Spiegel vorhielt, so unbefangen tut es Michael mit seinem Rückblick: Ist Stasi vielleicht die Abkürzung für Starrsinn? Warum herrscht immer der Ausnahmezustand, wenn die Verwandten aus dem Westen kommen? Und eigentlich wollte er doch bloß mit seinem Vater zum Fasching – das resultierende Chaos war nicht beabsichtigt.

Es sind echte Kabinettstückchen, die Michael Tetzlaff hier zusammenträgt. Oft erinnern sie an die Sonnenallee, die ja nicht ohne Grund ein Kinoerfolg war. Genau so oft erinnern sie freilich an des Kaisers neue Kleider – vergnügliche Geschichten mit jenem Quäntchen Ernst, das man nicht überlesen sollte. Nicht zuletzt, weil der wache Blick des Jungen Michael wohl vor jedem politischen System Bestand gehabt hätte – nicht nur in der Zone, wie der Untertitel verheißen könnte.

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