Erste Erfahrungen: Dacia Logan

Beitragsbild
Foto 1
Foto 2
Foto 3

Osteuropäische Entwicklungshilfe für sparsame Westeuropäer: Über den Dacia Logan, der ab dem 17. Juni bei 250 ausgewählten Renault-Händlern steht, ist schon viel geschrieben worden. Von Billigauto bis zu neuem Volkswagen für jedermann reichen hier die Beurteilungen. Was aber ist der Logan nun wirklich für ein Auto?

Schon vor vier Jahren beschloss Renault in Zusammenarbeit mit dem rumänischen Automobilhersteller Dacia, ein preiswertes Auto zu bauen, das für die besonderen Bedürfnisse der wirtschaftlichen Schwellenländer Osteuropas, Südamerikas oder des Mittleren Ostens gedacht war. Das heißt einfache, leicht zu reparierende Technik, viel Platz und eine große Alltagstauglichkeit standen beim Logan, der sich mit dem Renault Modus die Plattform teilt, im Lastenheft. Insgesamt sollen rund eine Million Dacia Logan jährlich weltweit produziert und verkauft werden. Erst relativ spät fiel die Entscheidung, den Logan technisch modifiziert und mit einer besseren Sicherheitsausstattung auch in Westeuropa anzubieten. Allerdings scheint Renault mit diesem Entschluss den Nerv der Zeit und der sparwilligen Kundschaft getroffen zu haben, denn andere Hersteller haben ebenfalls reagiert und bringen verstärkt bezahlbare Autos auf den Markt. Bestes Beispiel dafür ist der VW-Konzern, der den Kleinwagen Fox – ursprünglich nur für den Einsatz in Südamerika geplant – nun auch in Deutschland offeriert.

Der Dacia Logan gewinnt keinen Schönheitspreis. Die viertürige Stufenhecklimousine fährt ziemlich altbacken daher. Besonders das breite Heck schmeichelt dem Wagen in keinster Weise. Dafür hat der Betrachter beim Öffnen des Kofferraums sein Aha-Erlebnis. Tut sich doch eine große Öffnung auf, in die insgesamt 510 Liter Gepäckvolumen hineinpasst. Da stört es auch kaum, dass das Wort Kofferraumverkleidung im rumänisch-französischen Automobil-Wortschatz nicht existent zu sein scheint. Der 4,25 m lange Wagen bietet reichlich Platz für die Insassen. Das Innenleben ist einfach gestaltet. Die Rückbank kann nicht umgeklappt werden, dafür gibt es aber immerhin ein Handschuhfach. Polsterstoffe und Kunststoffe sind gut verarbeitet. Leider lässt sich das Lenkrad nicht verstellen, was einer guten Fahrposition im Wege steht. Nervig ist zudem das Piepsgeräusch des Blinkers. Bedienelemente sind logisch angeordnet und für Renault-Fahrer vertraut, finden sich hier doch viele Bauteile aus Renault-Fahrzeugen wieder. In Punkto Sicherheit muss der Kunde große Abstriche machen. Der Wagen hat ABS und zwei Frontairbags an Bord, die Sicherheitsgurte sind allerdings nur höhenverstellbar, eine Gurtkraftbegrenzung fehlt. Schwachpunkt des Sicherheitskonzepts sind neben dem fehlenden ESP die Bremsen. Hinten verzögern nur Trommelbremsen und trotz der hier zu Lande aufgezogenen Standardreifen von Michelin oder Continental sind die Bremswerte schlechter als heute standardmäßig üblich. Im NCAP-Crasttest erhält der Logan nur drei Sterne, ein großes Manko für Renault, wirbt doch der Konzern sonst mit dem Thema Sicherheit.

Für den Vortrieb sorgen zwei bekannte Motoren aus den Renault Regalen. Ein 1,4-Liter-Aggregat mit 55 kW/75 PS (Spitze: 162 km/h, Verbrauch: 6,8 Liter) und ein 1,6-Liter-Motor mit 64 kW/erreichen die Motoren bis jetzt nur die Abgasnorm Euro 3. Das Fahrwerk schluckt problemlos Schlaglöcher und Unebenheiten. Die Lenkung ist mit und ohne Servo-Unterstützung schwammig, dafür trainiert der Fahrer durch den sehr langen Kupplungsweg seine Wadenmuskulatur.

Für den Einstiegspreis von 7.200 Euro gibt es natürlich keinen Luxus. Außenspiegel und Fensterhebel funktionieren manuell und die Türen werden mit dem Schlüssel geöffnet. Eine Servolenkung fehlt im Grundpreis und ist erst in der nächsten Ausstattungsstufe gegen eine Zuzahlung von 450 Euro erhältlich. Im Topmodell für 8.200 Euro mit dem 75-PS-Motor gehören dann Nebelscheinwerfer, eine Servolenkung, elektrisch einstellbare Außenspiegel und elektrische vordere Fensterheber, eine Zentralverriegelung, ein Bordcomputer und ein höhenverstellbarer Fahrersitz zum Lieferumfang. Eine Klimaanlage kostet 800 Euro Aufpreis. Damit ist der Logan in punkto Preis fast unschlagbar, allerdings nur für solche Käufer, die beim Thema Sicherheit Kompromisse machen wollen.

(Text: Elfriede Munsch)

Nach oben scrollen