Erste Erfahrungen: Focus mit Brennstoffzellen-Antrieb

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Ford beteiligt sich mit drei von Brennstoffzellen angetriebenen Focus am Praxistest des Clean Energy Partnership, kurz CEP, in Berlin. Die Ford Focus FCEV Hybrid stammen aus den USA und sind der erste Teil einer Kleinserienproduktion von 60 Fahrzeugen, mit denen Ford die Alltagstauglichkeit der Brennstoffzelle erproben will. Der Test mit Fahrzeugen in Kundenhand startet am 12. November und läuft bis 2007.

Ford arbeitet seit zehn Jahren an der Entwicklung der Brennstoffzelle. Seit 1998 ist man gemeinsam mit DaimlerChrysler beim kanadischen Hersteller Ballard Power Systems engagiert. Ballard entwickelte die Brennstoffzellen für die bislang von Mercedes vorgestellten Prototypen auf Basis der A-Klasse. Ford setzte die gleiche Technik in Focus Modellen ein. Die jüngste Ausbaustufe basiert auf der Kombi-Version des amerikanischen Ford Focus und verbindet die Brennstoffzelle mit einer Hochleistungsbatterie. Ford spricht deshalb von einem Hybrid-Fahrzeug. Der Ford Focus FCEV Hybrid, (Fuel Cell Electric Vehicle) hat einen 68 kW/92 PS starken Elektromotor, der 230 Nm Drehmoment abgibt. Die elektrische Energie wird von der Brennstoffzelle Typ Ballard Mark 92 erzeugt. Zusätzliche 18 kW Energie liefert kurzfristig, etwa beim Beschleunigen, eine Hochleistungs-Nickel-Metallhybrid-Batterie, die ihre Reserven beim Fahren auflädt und auch die Bremsenergie zurück gewinnt. Alleine diese Maßnahme spart im Alltagsbetrieb, laut Ford, etwa 5 Prozent des Treibstoffs.

Der Wasserstoff zum Betrieb der Brennstoffzelle ist im Kofferraum des Focus untergebracht und benötigt diesen in der jetzigen Entwicklungsstufe vollständig. Trotzdem passen in den Tank nur 4 kg Wasserstoff, der mit 300 bar Druck komprimiert ist. Diese Menge reicht für rund 300 km Fahrt. Das nächste Entwicklungsziel ist ein Tank mit 750 bar Druck, der entsprechend kleiner ist oder mehr Wasserstoff fasst.

Das Fahren mit dem Focus FCEV Hybrid geht erstaunlich unspektakulär. Nach dem ersten Dreh des Zündschlüssels werden kurz die Systeme gecheckt, was für den Fahrer durch ein deutlich vernehmbares Lüftergeräusch erkennbar ist. Hört der Lüfter auf, kommt die nächste Stufe, das Starten der Brennstoffzelle. Das dauert etwa so lange wie früher Diesel brauchten um vorzuglühen. Ist die Zelle bereit, zeigt das ein Zeiger im Instrumententräger an. Automatik auf D und los geht's. Mit dezentem Laufgeräusch des Kompressors startet der Focus durchaus flott. Ford gibt eine Beschleunigung von 13,2 Sekunden auf 100 km/h an. Der Motor liefert das Drehmoment permanent, also auch direkt beim Losrollen, weshalb man sich besonders im Stadtverkehr immer gut motorisiert fühlt. Der Vortrieb endet bei 128 km/h, weil bei dieser Geschwindigkeit die maximale Drehzahl des Elektromotors anliegt. Auf einen zweiten Gang im Getriebe hat man verzichtet, weil er für die Testversionen und den amerikanischen Autoalltag nicht unbedingt nötig ist. Für Autobahnen überlegt man eine Art Overdrive einzubauen.

Im Testbetrieb kommt der Focus ab 12. November in private Hand. Man will im Kurierdienstbetrieb in Berlin und Hamburg herausfinden, wie normale Fahrer auf die technischen Eigenarten des Brennstoffzellenfahrzeugs reagieren und wo man die Schnittzellen von Mensch und Technik optimieren muss, um später eine wirkliche Alltagstauglichkeit herzustellen. Ford plant eine echte Vermarktung von Brennstoffzell-Autos zu Beginn des nächsten Jahrzehnts.

Text: Günter Weigel

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