Die R-K-A: Wenn für eineinhalb Tage alles anders ist

Meuspath, ein kleiner Flecken am äußersten nördlichen Rand der Vulkaneifel. „Saukalt“ ist es an diesem Samstagmorgen des zweiten November-Wochenendes. Das kostbarste Gut in Meuspath an diesem Morgen ist ein Stückchen freier Asphalt. Ein Parkplatz an der Hauptstraße oder einer der vielen kleinen Nebenstraßen des verwunschenen Eifeldorfes.

Einen Steinwurf entfernt nur liegt direkt am Ortsausgang hinter der Bundesstraße 267 die „Döttinger Höhe“. Sie ist das letzte Stück Hochgeschwindigkeitskurs der Nordschleife des Nürburgrings. Und sie soll an diesem Tag noch eine Rolle spielen für rund 60 Kombattanten und etwa 25 Besitzer ebenso schneller wie spektakulärer und betagter Rallye-Fahrzeuge.

Kurz vor der Mittagszeit haben in Meuspath viele fleißige Hände aus Kleintransportern oder auch aus alten, umfunktionierten Kombis alles heraus gekramt, was man so braucht, um einen Serviceplatz für eine Rallye aufzubauen.  Wagenheber, Akku-Schrauber, Schlüssel in allen Größen, Handwerkszeug um verbeultes Blech zu richten und das wichtigste: Matten, die verhindern, dass Öl und Schmiermittel ungehindert ablaufen und ins Erdreich eindringen können.

Denn Meuspath soll an diesem 9. November 2019 nachher genauso aussehen wie vorher, wenn die 42. Auflage der Rallye Köln-Ahrweiler beendet ist. Die „R-K-A“ ist in diesem Jahr zum 42. Mal das signifikante Ende der Rallye-Saison. Eine zweitägige Herausforderung mit etlichen schwierigen Prüfungen über mehr als 140 WP-Kilometer. Darunter ein Part auf der viel gerühmten und ebenso berüchtigten Nordschleife des Nürburgrings „gegen die Richtung“.

Mehr als 60 Piloten aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Tschechien haben sich zuvor in die Teilnehmerliste eingetragen. Sie werden flankiert von einer Reihe höchst seltener historischer Rallye-Oldtimer als Vorwagen, die noch ein letztes Mal „ausgeritten werden dürfen“, bevor es in den automobilen Winterschlaf geht.

In den Dörfern rund um das Ahrtal, wo in der Weinbau-Gemeinde Mayschoss das organisatorische Herz dieser Vielseitigkeitsprüfung schlägt, und in der Vulkaneifel bricht die Sonne bei Temperaturen um die Gefriergrenze an diesen beiden Tagen, einem späten Freitagabend und einem kompletten Samstag von früh bis spät, noch einmal heraus. Verhältnisse, die den Untergrund innerhalb weniger Minuten völlig verändern können. Wo in einer Viertelstunde aus Firn und Eis gefährlicher Matsch und Modder wird.

„Man muss sich im Service dreimal überlegen, welche Füße man aufzieht“, sagt Ruben Zeltner im Service in Meuspath. Der Porsche-Pilot ist nicht nur Geschäftsführer des Fahrsicherheitszentrums am Sachsenring, sondern auch zweifacher Deutscher Rallyemeister und in dieser Eigenschaft auch der erklärte Favorit dieser Veranstaltung. Zeltner wird am Ende mit deutlichem Vorsprung auf dem Podium als Gesamtsieger gefeiert werden und dem Veranstalter, der „Scuderia Augustusburg“, ein Versprechen geben: „Es war eine sehr schwierige Rallye, aber es hat auch unheimlich viel Spaß gemacht. Ich werde im nächsten Jahr wiederkommen.“

Wiederkommen werden – zumal wenn der November zwar kalt und sonnig, aber nicht verregnet und „lausig kalt“ ist – auch die vielen Rallyefans, die zum Teil von weit her angereist sind. Stände mit heißem Glühwein, gebratenen Würsten und heißen Waffeln sowie Devotionalien rund um den Nürburgring säumen den Weg der Rallye an diesen beiden Tagen.

Die „R-K-A“ hat ein Alleinstellungsmerkmal: Sie ist Deutschlands einzige Ansammlung von Wertungsprüfungen mit historischen Fahrzeugen, bei denen „auf Zeit“ gefahren wird. Sie ist damit keine Demonstrationsveranstaltung mit betagten Boliden aus der Urzeit des Rallyesports. Diejenigen, die Freude an dieser Art des Motorsports haben, wissen und schätzen das. Und sie wissen auch, dass sie in Meuspath, wo sich sonst Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, im nächsten Jahr wieder ein Schwätzchen mit den Helden im Autokäfig halten können.

Wenn sie denn Platz dafür finden.

42. Rallye Köln-Ahrweiler, Gesamtwertung

1. Zeltner/Hinneberg (Porsche 996 GT3) 1:16:50,4 Stunden

2.  Bieg/Moch (Mitsubishi Lancer Evo 9) 1:18:41,8 Stunden

3. Küke/Carl (Porsche 911) 1:20:29,8 Stunden

4.  van der Heide/Kremkau (Porsche Cayman 987) 1:21:47,5 Stunden

5. Gerhard/Kluth (Mitsubishi Lancer Evo X)  1:22:41,6 Stunden

 YOUNGTIMER Gold Cup 2019, Gesamtwertung:

1. Küke/Carl (Porsche 911) 1:20:29,8 Stunden  

2. Werner/Fischer (Audi Quattro) 1:22:46,6 Stunden

3. Wolves/ter Maat (Opel Manta i 200) 1:23:20,1 Stunden

Fotos: Oliver Kleinz

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