Buchtipp – Abrahamson: Wie ich mich …

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Der Buchtitel ist lang, die Lektüre allerdings sehr kurzweilig. Emmy Abrahamson, bisher als Autorin von Kinder- und Jugendbüchern profiliert, legt ihren ersten Roman für Erwachsene vor.

Und der wirkt, auf den ersten Blick jedenfalls, etwas dick aufgetragen: Eine junge Frau, Julia, träumt von einer großen Karriere. So weit, so häufig. Aber Julia hat Vorstellungen von dieser Karriere, die in solch konkretem Ausmaß absolut nicht häufig sind. De facto ist sie Englischlehrerin in Österreich, aber in ihren Träumen spielt Elfriede Jelinek eine Rolle, die Schriftstellerei, und man fragt sich schon, ob's nicht doch eine Nummer kleiner auch ginge.

Es kommt ganz anders. Der Mann, den Julia nicht mehr aus dem Kopf bekommt, ist ein Penner. Ben ist 24, und er stellt sich der fünf Jahre älteren Frau ganz und gar nicht vor, wie man es vielleicht erwarten könnte. Von wegen: Viel Pech gehabt und irgendwann eben ohne festen Wohnsitz. Nein, Ben sieht durchaus Vorteile in seiner Lebensform, und er wirkt, als habe er sie sogar bewusst gewählt.

Emmy Abrahamsons Buch ist keines von der Sorte, deren Ende man kennt, kaum dass die wichtigsten Personen aufgetreten sind. Man kann das Ende schon früh erahnen, aber wie es sich gestaltet, bleibt fast bis zur letzten Seite offen. Die Autorin spart außerdem da, wo es passt, nicht mit Ironie, auch nicht mit Selbstironie für Julia, und so lernt man unversehens eine ganze Menge über vermeintlich Banales. Zum Beispiel über einen ungewöhnlichen Sinn von Marktforschungsumfragen.

Emmy Abrahamson
Wie ich mich auf einer Parkbank in einen bärtigen Mann mit sehr braunen Augen verliebte.
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv); 9,95 Euro.

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