Test-Tour: Nissan X-Trail (2014)

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Allradantrieb, robuste Optik, hohe Bodenfreiheit, geländegängig: Das sind Attribute, die man mit einem kernigen Offroader in Verbindung bringt. So wie in diesem Fall. Wir haben die aktuelle Generation des Nissan X-Trail mit einem 173 PS starken, zwei Liter großen Diesel, gefahren.

Zugegeben, unter dem Begriff Winter hat man den Großteil unserer Testphase mit dem X-Trail nicht eben einordnen können, aber wenn man dann doch noch ein paar Ski-Tage hinten dran hängen kann, so wie uns das vergönnt war, dann lässt sich schon einiges über die „Abseits“ dieses mächtigen Offroaders sagen.
Schon die Optik des kantigen Japaners verrät einiges, wenn nicht (fast) schon alles über den angestrebten Einsatzbereich und die Welt des Nissan X-Trail: Ein Blick in die Datenliste verdeutlicht das: 4,63 Meter lang, 1,76 Meter breit, 1,69 Meter hoch. Dazu ein Radstand von 2,63 Meter, ein Böschungswinkel vorn von 29 Grad vorn, das Gleiche hinten: 23 Grad. Der X-Trail ist keiner dieser in die Mode gekommenen Soft-SUV‘s, die sich der Attitüde der Outdoor-Fähigkeiten fälschlicherweise hingeben. Das sieht alles nach zuverlässigem Partner fürs Ungewisse aus: Und bei einer Wattiefe von 45 Zentimetern kann sich der Fahrer durchaus auch einmal in die eine oder andere Pfütze oder in eine Schlammdurchfahrt wagen.

Die äußere Optik überträgt sich auch auf die Gestaltung des Innenraums des 4X4-Fahrzeugs. Dort haben fünf Personen bei guter Übersichtlichkeit ohne Probleme für Knie oder Ellbogen Platz. Kleines Manko bei Fahrzeugen dieser Art ist die (eigentlich durchaus erwünschte) hohe Sitzposition: Das geht etwas zu Lasten der Kopffreiheit. Was für Passagiere gilt, trifft auch für das Gepäck zu: An variablem Raum mangelt es nicht. Normalerweise beträgt dieser knappe 480 Liter. Legt man die Sitze um, so ergibt sich ein Kofferraum-Volumen von 1.773 Litern. Sehr praktisch, wenn man in den Wintersport fährt, ist die große und steil nach oben aufschwingende Heckklappe. Für das in solchen Fällen nasse und schmutzige Mitbringsel aller Art gibt es unterhalb des Ladebodens noch einen zusätzlichen Stauraum.

Für den nötigen Vortrieb des Geländewagens sorgt in unserem Falle ein zwei Liter großer und 173 PS starker Diesel mit einem maximalen Drehmoment von 360 Newtonmeter. Darunter gibt es wahlweise noch ein 150-PS-Agregat. Der Selbstzünder braucht eine Zeit lang, bevor er das Fahrzeug mit seinem Leergewicht von fast 1,7 Tonnen anständig in Bewegung gebracht hat. Und gerade leise geht er dabei auch nicht zu Werke. Aber das Rustikale gehört wohl irgendwie dazu zum Gesamtauftritt. Für die Kraftübertragung sorgt ein manuelles Sechsganggetriebe, das fleißig bedient werden will. Insgesamt kamen wir auf einen Verbrauch von 8,8 Litern Dieselkraftstoff auf 100 Kilometer.
Doch der Nissan X-Trail möchte (und kann auch) vor allem außerhalb befestigter Fahrbahnen zeigen, was er kann. Die Kraftverteilung an die Achsen regelt beim Nissan-eigenen All-Mode 4X4-i-System eine elektromagnetische Kupplung. Der Fahrer kann über einen leicht erreichbaren Drehschalter aus drei verschiedenen Antriebsvarianten selektieren: Beim Normalmodus werden nur die beiden Vorderräder angetrieben; der Automatikmodus sorgt für eine Verteilung des Drehmoments von bis zu 43 Prozent an die Hinterachse. Wählt man die Offroad-Funktion, dann lässt sich die Drehmoment-Verteilung im Verhältnis von 50 : 50 sperren.

Und wenn es noch schwieriger wird im Gelände, ist technische Hilfe da: Eine Bergabfahrhilfe reduziert ohne Eingreifen der „Schwachstelle Mensch“ selbständig die Geschwindigkeit. Die Berganfahrhilfe dagegen verhindert das zurück rollen des Fahrzeugs. In derlei Extrem-Situationen machen sich dann auch die eingangs beschriebenen Features wie der Böschungswinkel von 29 Grad vorn und 23 Grad hinten sowie die Wattiefe von 45 Zentimetern positiv bemerkbar. Eine extrem hohe Bodenfreiheit von 20 Zentimetern passt zum Gesamtauftritt des X-Trail.

Zur permanenten Sicherheitsausstattung gehören die mittlerweile übliche „Airbag-Armada“ für Fahrer, Beifahrer, Kopf und die inneren Flanken, sowie die Isofix-Kindersitzbefestigung. Die Dachreling muss bei einem Fahrzeug dieses Genres ebenfalls sein. Wer sich sein Fahrzeug selbst konfigurieren und zusammenstellen möchte, der kann unter drei verschiedenen Ausstattungsvarianten wählen. Die Preisrange reicht dann mit dieser Motorisierung von 34.300 bis 38.650 Euro.

Der X-Trail polarisiert gewollt zum Softroader Qashqai aus dem eigenen Modell-Portfolio, beide bedienen dadurch aber auch explizit verschiedene Ansprüche.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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