Test-Tour: Citroën Jumpy

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Wenn es läuft wie geschmiert, wenn alle Teile arbeiten wie sie sollen, ohne Murren und Knurren, so sagt man in unserer Heimat „Läuft wie Lottchen“. Der Citroën Jumpy HDI 165 ist ein solches Lottchen.

Optisch, innen wie außen, und da beißt die Maus keinen Faden ab, ist der Jumpy von Citroën kein wirklicher Kassenschlager. Zwar versucht das leichte Nutzfahrzeug mit seiner aerodynamisch günstigen Keilform Dynamik zu vermitteln, was aber angesichts der bulligen Frontstoßstange nicht ganz glückt. Der optische Nutzfahrzeugcharakter bleibt erhalten – Optik ist und bleibt eine reine Geschmackssache. Auch wenn das Aussehen nicht wirklich überzeugend ist, Alltagstauglichkeit, Verarbeitung, Praktikabilität und Flexibilität sind es allemal.

Bleiben wir beim Außen: Die Türen für Fahrer und Beifahrer schwingen weit auf, erleichtern den Einstieg, bei dem die Trittplatte hilfreich ist. Fondpassagiere gelangen über zwei große, seitliche Schiebetüren ins Wageninnere. Sinnvoll angebrachte Haltegriffe erübrigen Kletterkünste und Kraftakte. Gegen Aufpreis lässt sich die Heckklappe gegen Hecktüren tauschen. Die Flügel lassen sich im Verhältnis 60/40 öffnen, sind praktisch und ratsam. Beladen mit allen erdenklichen und vor allem undenkbaren Transportgütern wird damit kinderleicht.

Innen überzeugt der Jumpy mit einer für diese Fahrzeugklasse selbstverständlichen Flexibilität. Unser Testmodell „Multispace Tendance“ hatte als Sonderausstattung eine Zweiersitzbank mit Einzelsitzen und einzeln umklappbaren Lehnen. Das heißt, dass ein Sitz der beiden Sitzreihen einzeln zu entfernen ist, die jeweils beiden anderen lassen sich nur gemeinsam ausbauen. Apropos ausbauen: Einfacher geht’s nun wirklich nicht mehr. Rückenlehne umklappen, ein kräftiger Zug an einem farbigen Band und schon ist die Verriegelung geöffnet. Während sich die Einzelsitze spielerisch und von einer Person ausbauen und wegtragen lassen, ist bei der Zweierbank ein Helfer von Nöten. Dies ist aber nur dem höheren Gewicht und der Sperrigkeit geschuldet. Flexible Sitzmöglichkeiten bietet der Jumpy also reichlich, beim „Tendance“ gehört überdies eine Beifahrer-Doppelsitzbank zur Serienausstattung. Was den Jumpy weiterhin extrem praktisch und alltagstauglich macht, sind die zahlreichen Haken und Ösen zum Sichern der Ladung. Wir haben es ausprobiert: Zwei große Reisekoffer, zwei Transporthundeboxen, ein Rennrad, eine große Sporttasche, zwei Reisetaschen und ein Korb mit Hundezubehör – alles hat sicheren Platz gefunden und konnte problemlos verzurrt werden. Überzeugen kann der Jumpy auch mit Bedienelementen, Instrumenten und Ablagemöglichkeiten. Für den Fahrer erklären sich die Bordfunktionen von selbst, Instrumente sind übersichtlich angeordnet und machen das, was sie sollen – aufklären und nicht verwirren. Auch für die Reiseutensilien, die man gerne griffbereit hat, ist Jumpy ausreichend gewappnet. Was uns weniger gefallen hat, war der 70er Jahre Charme, den Polster, Teppich und Haptik versprühten. Je nach Bekleidung steigt man aus dem Citroën geladen und mit Spannung aus – denn dann haben sich durch die Reibung über das Velourspolster Hemd und Hose statisch aufgeladen und die Haare stehen einem mehr als sprichwörtlich zu Berge.

Motor und Getriebe – harmonisch und kraftvoll: Wie Lottchen laufen Motor und Getriebe. Mit 120kW/163PS schafft der Jumpy jede Steigung spielerisch, völlig unabhängig von der Beladung. Die Abstufung der sechs Gänge ist gut gewählt, ständiges Schalten, weil man stets das Gefühl hat, im falschen Gang unterwegs zu sein, ist nicht erforderlich. Das macht sich auch beim Verbrauch bemerkbar: Mit 6,6 Liter auf 100 Kilometer gibt Citroën den Verbrauch in Kombination aus Stadt und Land an. Ein Wert, der nicht nur theoretisch auf dem Papier und von Spezialisten erreicht werden kann, sondern den im Grunde genommen jeder schafft, sofern nicht der Bleifuß an der Tagesordnung steht. Wer einen Tempomat als Extra sein Eigen nennen darf und diesen auf der Autobahn bei rund 140 km/h aktiviert, wird erstaunt sein, für welche Distanz die 80 Liter Diesel reichen.

Die übrige Technik, Bremsen, Fahrwerk, Lenkung passt zu dem Auto wie die Faust aufs Auge. Das Fahrwerk ist solide und federt das Groß der Fahrbahnunebenheiten gekonnt ab, ist allerdings mit sportlicher Fahrweise rasch überfordert. Überraschend gut die Bremsen: So ausgelegt, dass sie die Fuhre auch bei maximaler Beladung von rund drei Tonnen bändigen, beißen sie im Leerzustand erbarmungslos zu. Das verursacht auf den ersten Metern häufig ungewohnte Nickbewegungen der Fahrgäste. Auch die Lenkung ist entsprechend der Fahrzeuggröße und der eigentlichen Verwendung angepasst. Mit kommodem Spiel ist sie nicht die direkteste ihrer Art, muss sie aber auch nicht. Schließlich ist der Jumpy nicht für Slalom oder Nordschleife gebaut.

Fazit: Beim Einsteigen werden schnell Erinnerungen wach: Peter Frankenfeld, Der große Preis, Einer wird gewinnen – die 70er Jahre grüßen und winken mit beiden Händen. Was klar als Geschmackssache zu definieren ist, hat uns überhaupt nicht gefallen. Damit ist die Mängelliste der Redaktion auch schon erschöpft. In 14 Tagen Testzeitraum lässt sich natürlich nicht ermitteln, welche Macken der Wagen im Alter an den Tag legt, wie er sich im harten Alltag schlägt oder wie wartungsintensiv er ist. Der erste Eindruck überzeugt jedoch voll und ganz. Als Modell Tendance mit einem 165 PS starken Dieselmotor kostet er in der Grundausstattung gut 35.000 Euro – ein Preis, der angesichts der umfangreichen Ausstattung durchaus gerechtfertigt ist. Unser Testwagen hatte ein paar Extras, die sich zum Teil als sinnvoll erwiesen: Tempomat (290 Euro), Heckflügeltüren (240 Euro), Zweiersitzbank und Einzelsitze (900 Euro), Grip Control inkl. Hill Holder (200 Euro). Wir empfehlen allen Van-Suchenden, auch mal einen Blick in den Jumpy zu werfen – der läuft nämlich wie Lottchen!

Text und Fotos: Uwe Meuren

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