Suzuki: 30 Jahre Swift

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Ein kleiner Wagen macht einen Autohersteller groß: Wer von Suzuki spricht, der hat dabei entweder die Offroad-Palette der Japaner im Kopf oder er sieht vor seinem geistigen Auge den Bestseller des Hauses, den kompakten Swift. Er ist ein beredtes Beispiel für die These, dass es immer wieder Fahrzeuge gibt, die aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, ihrer langen Lebensdauer oder ihrer ungewöhnlichen Geschichte quasi einen ganzen Hersteller repräsentieren.

Beispiele gefällig? Nun, Porsche, das ist „der Elfer“, der Golf – aber das wissen wir ja alle – ist gleichbedeutend mit Volkswagen und der Swift: nun, das ist eben Suzuki. Der japanische Autobauer ist nicht gerade ein Schwergewicht unter den weltweiten Anbietern, aber gerade bei den kleinen, kompakten, wendigen Flitzern, da hat Suzuki schon immer eine gute Rolle in den Absatzstatistiken gespielt. Jetzt wird der Swift 30 Jahre alt, darf sich also mit Fug und Recht ein „Oldtimer“ nennen und die ersten Exemplare können gar ein „H“-Kennzeichen als Nachweis eines historischen Fahrzeuges tragen. Der Suzuki Swift, das war und ist zwar ein Kleiner. Aber einer, der seinen Hersteller groß gemacht hat.

Der Sommer 1983 war die Geburtsstunde des Suzuki Swift. Mehr als zwei Jahre lang wurde der vermeintliche Stadtwagen (wenn es die Bezeichnung damals überhaupt schon gab) zuvor gemeinsam mit dem US-Giganten General Motors entwickelt. „SA 310“ lautete damals die reichlich unspektakuläre und unscheinbare interne Bezeichnung. Ein Hingucker war der kantige Neue weiß Gott nicht. Ein unauffälliger Dreitürer, angetrieben von einem Dreizylinder-Motor, dessen Leistungsausbeute unter anderem auch von einer optionalen Dreigang-Automatik auf die Straße gebracht werden sollte.

Doch der Swift sollte sich in den folgenden drei Jahrzehnten durchsetzen, auch wegen seiner Vielfalt in Technik und Optik. Die geistigen Väter des kleinen Japaners hatten auch vor Allrad-Ausgaben, vor Cabriolets oder auch vor „Rennsemmeln“ wie dem GTi keine Scheu. Erlaubt war, was gefiel und was gekauft wurde. Der Suzuki Swift wurde zeitweise zum Chamäleon, veränderte sich selbst, seine Technik, sein Aussehen. Seine Freunde aber blieben ihm treu. Aus der einstigen „Sparbüchse“ wurde ein richtiges Lifestyle-Fahrzeug. Das Erfolgsrezept des Swift, der sich überall auf der Welt unter den verschiedensten Namen durchsetzte, war vielfältig. Wann immer mal wieder Zuverlässigkeits-Statistiken veröffentlicht wurden: Der Swift stand in den Hitlisten ganz vorne und war mit dafür verantwortlich, dass das japanische Familien-Unternehmen sogar bis in die „Top Ten“ der Automobil-Hersteller aufrückte.

Hinzu kamen technische Innovationen wie die überaus sanfte Dreigang-Automatik, ein echtes Charakteristikum des Wägelchens. Genau so außergewöhnlich auch der Swift 4WD, mit dem der permanente Allradantrieb und eine Viskokupplung in das Segment der Kleinwagen vordrangen. Ein Nischenmodell blieb der Stufenheck-Swift mit einem 1,6-Liter-Motor. Was dem Swift hierzulande einen erfolgreicheren Weg versperrte, das war der lange fehlende Dieselantrieb. Erst 2004 präsentierten die Japaner mit der damals neuesten Generation des Swift nicht nur einen Selbstzünder, sondern auch ein Fahrzeug, das ganz nach westlichen Maßstäben entwickelt und produziert worden war. Vor allem das neue, flotte, Design des Asien-Imports sprach Bände für das Ausleben dieser Philosophie.

Suzuki hat sich nicht nur, aber auch wegen des kleinen, großen Swift als erfolgreicher „Weltenbummler“ auf allen fünf Kontinenten behauptet und in manchen Ländern sogar einen Marktanteil, der erheblich in den zweistelligen Bereich geht. Inzwischen können es sich die Japaner sogar leisten, Kooperationsangebote von weit größeren Herstellern, wie in diesem Falle von Volkswagen, in den Wind zu schlagen. Ein Übernahmekandidat ist das Haus nicht. Doch Suzuki expandiert nicht nur in Sachen Swift mit dem Modell „Sport“ als Fünftürer, sondern auch mit einem neuen Crossover. Der nennt sich „SX 4“ und soll in seiner neuesten Generation bei der IAA im September in Frankfurt/Main vorgestellt werden.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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