CD-Tipp der Woche

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Demis Roussos: Forever and ever. (Originale/Koch Universal)

In regelmäßigen Abständen legt Universal Music CDs unter dem Oberbegriff Originale auf – Langspielplatten, die vor Jahrzehnten große Hits waren, dann in Vergessenheit gerieten, beim Siegeszug der CD über die Vinyltonträger nicht berücksichtigt wurden und jetzt eine angemessene Würdigung erfahren. Originale meint dabei, dass das Cover der früheren LP die CD ziert, die Originalaufnahmen von damals zu hören sind (keine Neueinspielungen) und allenfalls ein paar Bonus-Songs hinzukommen.

Forever and ever ist ein besonderer Glücksfall für die Reihe – erstmals als LP 1973 erschienen. In Deutschland wurde der Mann hinter dem Album seinerzeit hauptsächlich als zuverlässiger Lieferant von Schmachtschnulzen wahrgenommen, als männliches Pendant zu Vicky Leandros. Das hatte gute Gründe, denn Demis Roussos wurde von Vicky Leandros' Vater Leo betreut, wie Vicky auch. Und Leo kannte das Geschäft. So findet sich hier das eher geschluchzte als gesungene Goodbye My Love Goodbye ebenso wie der zweite große – und titelgebende – Hit Forever and ever. In eine ganz andere Richtung weisen Lieder wie Lord Of The Flies, End Of The Line und Lay It Down. Sie setzen auf Tempo und/oder zeigen Roussos' griechische Wurzeln eindrucksvoll, pendeln zwischen Folk und Rock, und man merkt dabei, dass der damals sehr beleibte Grieche eigentlich im Progressive Rock angefangen hatte. Erst das – vorläufige – Ende seiner Kooperation mit Vangelis führte zum Kurswechsel in Richtung Schlagerimport aus beliebtem Urlaubsland. Kommerziell war das sicher richtig, das belegen die Verkaufszahlen von damals.

Trotzdem: Nach 1977 war die große Zeit der sehr gefühlsbetonten Schlager vorbei, Roussos experimentierte viel und mit viel Mut, kam immer wieder mit Vangelis zusammen und für ein ambitioniertes Projekt auch mit dem deutschen Produzenten Rainer Pietsch. Das alles deuten viele Titel schon an, die hier zu hören sind. Die ganz großen Erfolge hat er damit, wenigstens in Deutschland, nicht mehr gehabt. Schade. Manche seiner Projekte sind später wiederveröffentlicht worden, die LP von 1973 in Deutschland erst in diesen Tagen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass er den Mut zum Experiment wieder aufgenommen hat. Erst 2009 erschien eine CD des damals 63-Jährigen, der ihn von einer kantigen Seite und an der Seite eines jungen Teams zeigte.

Die Originale-CD wird zu sehr moderaten Preisen angeboten – und könnte einen auf den Geschmack bringen. Erst recht, wenn man's mit Schlager nicht so sehr hat, aber neugierig auf originelle Sounds ist.

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