Buchtipp der Woche

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Jussi Adler-Olsen: Das Washington-Dekret.
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv); 19,90 Euro.

Doggie war zwar erst vierzehn, aber sie wusste, dass Märchennicht nur einen schönen Anfang haben, sondern manchmalauch ein böses Ende nehmen. Ihr Märchen hätte kaum schlimmerausgehen können. Begonnen hatte es so: Das Büro von Gouverneur Jansen schlugdem größten Lokalsender Virginias eine neue Quizsendungvor. Dafür stellte man auch gleich etwas Startkapital zur Verfügung.Es sollte ein Länderquiz werden, bei dem man zunächsterraten musste, welche chinesische Stadt die meistenEinwohner hatte. Der Lokalsender stieg ein.Unter den 48 Teilnehmern der ersten Runde war ein vierzehnjährigesMädchen. Eine kleine Sensation!

Jussi Adler-Olsen kennt seine Figuren nur zu genau. Das Washington Dekret geht aber weit über eine (fiktionale) Einzelfallschilderung hinaus. Hier zeigt der Däne nicht theoretisch, sondern furchtbar eindringlich die Gefahren von Machtmissbrauch auf eine Demokratie – also etwas, das jede(n) betreffen kann.Ein neu gewählter amerikanischer Präsident gerät durch den Mord an seiner schwangeren Ehefrau aus dem Gleichgewicht und erlässt das Washington Dekret. Das ist kein publizistischer Schnellschuss, der als Steilvorlage die aktuelle Waffendiskussion in den und über die USA nutzt. Adler-Olsens Recherchen reichen bis 2005 zurück. Der Schilderung des Autors ist nichts hinzuzufügen.

Um zu verstehen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dasssich in einer vermeintlich demokratischen Gesellschaft wieden USA die Verhältnisse so grundlegend ändern könnten,wie in ›Das Washington-Dekret‹ dargestellt, muss man einigeder Begriffe kennen, derer sich der Roman bedient. Diewesentlichsten werden im Folgenden kurz erläutert. Für einenraschen Überblick wird außerdem auf eine Reihe von Websiteshingewiesen – zur amerikanischen Verfassung, zu den Möglichkeitendes Präsidentenamtes, zu einigen der Institutionen,die in einer nationalen Krisensituation die Verfassung und diepräsidentiellen Dekrete verwalten. Manche dieser Websiteswirken auf uns wie Science Fiction. Ich hoffe, das bleibt auchso.

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