Dakar 2013: Benachteiligung durch Reglement-Änderungen?

Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4

Zu Zeiten der ersten Afrika-Dakars gab es Fronttriebler, Hecktriebler und erste Allradler. Da standen klare Reglements an und entsprechend wurde gewertet. Relativ gerecht, möchte man sagen. Mit dem Umzug von Afrika nach Südamerika wurde das Reglement subtiler: da wurden nicht nur Diesel und Benziner wechselweise mit Auflagen eingebremst, da wurden den einachsig angetriebenen Buggies bestimmte Goodies zugestanden. Und jetzt kocht das Ganze richtig hoch: die Buggy-Hersteller (hinter denen meist große Konzerne als Motorenlieferanten mit entsprechend weltweit agierenden Sponsoren stecken) hatten sich beschwert, dass die Allradler enorme Vorteile hätten und es zudem noch die Protos gebe, jene Wettbewerbsfahrzeuge, bei denen quasi alles erlaubt ist und die schlussendlich wohl den Sieg unter sich ausmachten. Das Jammern wurde vom Veranstalter erhört und den Buggies wurden technische Zugeständnisse gemacht, die ihnen beachtliche Vorteile, zumindest streckenweise, bescheren. Darunter sind vor allem die überirdisch langen Federwege zu finden, die in den Tiefsandpassagen viel Arges eliminieren. So macht sich bereits nach dem Prolog von nur 13 Kilometern Länge eine gewisse Ratlosigkeit breit unter den klassischen Favoriten aus der Allrad-Fraktion, ob sie gegen die steigende Zahl der Spezial-Buggies überhaupt noch Chancen haben.

Prolog – kurz gesagt: unter den ersten 5 befanden sich 4 Buggies. Noch Fragen? Altmeister Sainz mit dem Qatar RB-Buggy hatte die Nase vorn, ihm folgte Routinier Alvarez auf dem Toyota Hilux-Pickup, auf Rang 3 eine erste Überraschung: Alain Chicherit, der noch 2011 Sven Quandts einzigen Mini beim unnötigen Training entmaterialisierte und aus diesem Grunde aus dem X-Raid-Team flog, tritt mit einem SMG-V8-Buggy auf und hält sich bei seinem Ex-Team mit Schadenfreude schadlos. Auf Platz 4 schon Sainz' Teamkollege Nasser Al Attiyah und auf dem 5. Platz das reine Privat-Team Chabot/Pillot, ebenfalls auf einem SMG-V8-Buggy. Nur der Toyota von Alvarez hielt da als Nicht-Buggy mit. Und alle haben einen mächtigen, bärenstarken V8-Benziner als Antriebsquelle! Das riecht nach erneuten Reglement-Änderungen für 2014. Das X-Raid-Team mit seinen ersten 4 Diesel-Minis belegte die Plätze 6, 7, 8 und 10, wobei Peterhansel, der gehandelte Favorit, die Speerspitze bildete. Adam Malysz, Ex-Skisprung-Heroe, machte mit dem 14.Platz eine mehr als nur überraschend gute Punktlandung mit seinem Toyota.

Das kleine private HS-Team von Kahle/Dr. Schünemann mit dem einzigen SAM 30D-CC, als Prototyp, lief aus taktischen Gründen auf Rang 28 ein. Der Rundkurs im tiefen Dünensand war anspruchsvoll und ließ einen Vorgeschmack auf die nächsten 14 Tage aufkommen. Von den 459 gemeldeten Teilnehmern überfuhren lediglich 449 die Startrampe in Lima und Robby Gordon stand schon nicht mehr in der Prolog-Ergebnisliste. Die 2. Etappe Pisco-Pisco über 242 Kilometer bildete das Sonntagsprogramm.

Text: Frank Nüssel/ CineMot
Bilder/Quellen: marathonrally.com, HS-Team, X-Raid

Scroll to Top