Formel 1: Vettels dritter Triumph

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Keine Frage: Letztlich ging es doch so aus, wie (wir) Motorsport-Experten es natürlich alle vorausgesagt hatten. Klar, Sebastian Vettel war mit 13 Punkten Vorsprung nach Brasilien zum großen „show down“ gereist, hatte das letzte Saisondrittel dominiert und strahlte ungeheures Selbstvertrauen aus. Was sollte da also noch passieren: Und so kam es denn auch. Die Saison endete mit der Titelverteidigung des amtierenden Champions.

Das Gute am Ausgang des 2012er Formel-1-Finales ist jedoch auch für die deutschen Fans zu Hause nicht die Tatsache, dass der junge Mann aus dem Odenwald nun der jüngste Dreifach-Weltmeister aller Zeiten ist, wie findige Statistik-Experten flugs errechnet hatten. Das gute ist vielmehr die Erkenntnis, dass Autorennen auch „an Tagen wie diesen“, an denen scheinbar alles drunter und drüber geht, wirklich noch im „richtigen Rennen“ auf der Strecke und nicht auf dem Papier, nicht am Computer entschieden werden.Parameter wie Nervenstärke, Können, Fingerspitzengefühl, Wetterkapriolen und letztendlich auch etwas Glück oder Pech in den entscheidenden Bruchteilen der Saison lassen sich nun einmal nicht als „Daten analysieren“, wie das in der technokratischen Formel-1-Welt so nüchtern heißt. Dass der 25-jährige Red-Bull-Pilot ein wahres Ausnahmetalent ist, hat er in diesem einen Rennen, in dem nach wenigen Metern fast schon alles vorbei schien, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dass ihm aber in dem Spanier Fernando Alonso ein ebenso faszinierender Fahrer als Antipode gegenüberstand, hat das gesamte Formel-1-Jahr bis zu diesem letzten Rennen so überaus spannend gemacht.

Schade nur, dass es in diesem irrsinnigen letzten Rennen völlig unterging, dass ein ganz Großer, vielleicht der Größte, den diese Sportart je vorweisen konnte, endgültig Abschied nahm von der Bühne, die über 20 Jahre lang nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner weltweiten Fan-Familie bestimmt hatte. Michael Schumacher verabschiedete sich als fairer Gentleman, machte auf den letzten Metern der Auseinandersetzung zwischen seinen beiden Nachfolgern artig Platz, als sein „Kumpel“ Vettel vom letzten Platz aus dem Rivalen hinterher hetzte. Auch das zeichnet einen wahrhaft Großen aus: Zu erkennen, wann der eigene Vorhang gefallen ist und Andere von der Bühne Platz ergriffen haben. In der über Jahrhunderte währenden französischen Erb-Monarchie gab es für ein solches Ereignis einen Spruch, eine Heroldsformel, die auf den Tag der endgültigen Wachablösung in der Formel 1 deckungsgleich anzuwenden ist: „Le roi es mort – vive le roi“ – „Der König ist tot – es lebe der König“. Der neue König hat wahrhaftig das Zeug, es dem alten Thronfolger auf Dauer nachzumachen.

Text: Jürgen C. Braun
Foto: United Pictures

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