Erste Erfahrungen: Lancia Flavia Cabriolet

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Alleine der Name macht schon Lust darauf, sich mit diesem Fahrzeug etwas näher zu beschäftigen. Mit seiner Ausstrahlung, seiner Aura, aber natürlich auch mit seinen fahrerischen Fähigkeiten: Der Flavia war einst eine der besten Adressen im wohl feinen Salon des Hauses Lancia. Der Erbauer feinster und exklusiver italienischer Automobile hat wunderschöne Prachtstücke auf die Straße gestellt. Mit Namen, die von der Zunge perlen, als ob sie sie aus einer Puccini-Oper stammten: Aprilia, Ardea, Flavia, Fulvia.

Die neueste Kreation mit Namen Lancia Flavia hat dagegen weit weniger konzertante Wurzeln. Zwar haben die Italiener eine lange Tradition im Bau von Cabriolets, denn um ein solches handelt es sich auch in diesem Falle. Diese allerdings liegt schon ein paar Jahrzehnte zurück. Das neue Lancia Cabrio ist nichts anderes als ein modifizierter Chrysler. Der Viersitzer mit Stoffdach stammt vom Kooperationspartner Chrysler. Dessen 200 Convertible ist in den USA bereits seit gut zwei Jahren zu haben. Mit dem Lancia-Logo im Blech unterscheidet sich das Mittelklasse-Cabriolet von der US-Verwandtschaft zum einen durch eine überarbeitete Optik, zum anderen aber auch durch einen modifizierten Antrieb.

Das Ottomotor-Triebwerk ist kein unbekanntes Derivat. Der Vierzylinder leistet in der US-Variante mit einem Hubraum von 2,4-Liter und einer Leistung von 175 PS seine Dienste. Unter der Ägide Lancia steckt etwas mehr Fiat in dem Fahrzeug. Denn von der großen Mutter stammt der neue Zylinderkopf mit der variablen Ventilsteuerung „Multi Air“. Die gleiche PS-Anzahl wie die Europa-Ausgabe stemmt auch der US-Boy auf die Kurbelwelle. Auch das Drehmomentmaximum von 225 Newtonmeter ist identisch. Serienmäßig ist ebenfalls die Sechsgangautomatik, die die Kraft des Antriebsstrangs auf die Straße bringt.

\x09Es bleibt allerdings bei dieser Karosserieversion und auch bei der Motorisierung. Ein Diesel ist nicht vorgesehen, auch der Sechszylinder-Benziner, den Chrysler noch in den Regalen stehen hat, soll in diesem Automobil keine Verwendung finden. Wobei die Frage, ob sechs Töpfe unter der Haube, dem 1,8 Tonnen schweren Probanden nicht doch gut zu Gesicht gestanden hätten, durchaus diskutabel ist. Gehandelt wird der offene Lancia (nicht ganz zu Unrecht) als Nachfolger des Chrysler Sebring Cabrio, obwohl der gegenüber dem Remake deutlich wuchtiger und nicht so fein geschnitten wirkt.

Allerdings ist die Preisdimension eine ganz andere als beim Sebring. 36.900 Euro stehen als Einstiegspreis des offenen Flavia zu Buche. Dafür allerdings bekommt man auch ein Komplettpaket mit vollautomatischem Stoffverdeck, das sich auch per Fernbedienung öffnen und schließen lässt. In diesem Segment setzt übrigens nur noch Audi auf das „Mützchen“, die übrigen Konkurrenten dagegen präferieren das Stahldach. Ebenfalls zur Serienausstattung zählen das Navigationssystem mit 6,5 Zoll großem Bildschirm, CD- und DVD-Laufwerk, USB-Schnittstelle sowie Bluetooth-Freisprecheinrichtung.

Wer sich mit der zugegeben etwas gewöhnungsbedürftigen Mixtur aus ein wenig Straßenkreuzer-Flair und Bella-Italia-Feeling anfreunden kann, der sollte sich mit diesem Fahrzeug einmal ernsthaft auseinander setzen.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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