Essen Motor Show: Sehenswerte Sonderschauen

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Kein Name könnte besser oder signifikanter für diese Ausstellung sein: „1.000 Gänge – niemals satt“ steht auf einem großen Transparent an einem der Eingänge zu den Essener Gruga-Messehallen, wo sich das bunte Spektakel rund um Motorsport, Tuning und Oldtimer noch bis zum kommenden Sonntag (4. Dezember) abspielt. Besonders auffallend in diesem Jahr drei Sonderschauen, die sich mit berühmten Persönlichkeiten oder unverwechselbaren Ereignissen aus einem Jahrhundert sportlicher Automobilgeschichte befassen.

Da geht es zum einen um den Mann, der als erster (und einziger, bis Michael Schumacher kam), fünf Weltmeistertitel in der Formel 1 auf sich vereinigen konnte: Der Argentinier Juan Manuel Fangio wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Fangio wurde mit insgesamt vier verschiedenen Marken fünf Mal Weltmeister in der damals noch jungen Formel 1, die nach dem zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen wurde. Mit 24 Siegen in 51 Rennen ist seine Siegerquote prozentual noch weit höher als die von Michael Schumacher, der es dann im Lauf seiner unvergleichlichen Karriere auf insgesamt sieben Einzeltitel brachte.

Die „Essen Motor Show“ zeigt alle Fahrzeuge, mit denen der 1995 im Alter von 84 Jahren verstorbene Fangio Weltmeister wurde, darunter den Mercedes-Benz W 196 R, mit dem er 1954 und 1955 den Titel errang. Das Fahrzeug wurde angetrieben von einem Dreiliter-Saugmotor. 1955 dominierte Fangio mit den 290 PS des legendären Silberpfeils die Formel 1 und gewann vier von sechs Rennen. Ein weiteres Highlight auf dem Stand zu Ehren Fangios ist auch der knallrote Maserati 250 F.

Erinnert wird sehr plakativ auch an die 100-jährige Geschichte des schnellsten Rundstreckenrennens der Welt, die 500 Meilen von Indianapolis. Die weltberühmte „Indy 500“ mit dem unverwechselbaren „Nudeltopf“ im Infield der Rennstrecke, haben unzählige Mythen um Männer und Motoren im Lauf eines Jahrhunderts geschrieben. Zu den Ausstellungs-Raritäten gehören unter anderem ein De Tamble Runabout von 1910 und ein Miller aus dem Jahr 1922, der 120 PS aus seinem 2,0-Liter-Achtzylindermotor schöpft.

Der ebenfalls ausgestellte March 87 c belegte im Jahr 1987 in Indy die ersten fünf Plätze. Zu sehen ist auch ein frisch restaurierter Stutz Blackhawk, Baujahr 1928, der von einem mächtigen, 5,5 Liter großen Reihenachtzylinder angetrieben wird. Mit 171,3 km/h errang er in Daytona den Preis für den schnellsten amerikanischen Rennsportwagen seiner Zeit. Der 1957er Mercury Turnpike Convertible Cruiser Indy 500 Pace Car ist das erste eigens zum Indy-Startwagen umgerüstete Serienauto.

Ein Muss für Freunde des Rallyesports sind die Exponate, die der „Mutter aller Rallies“, der Rallye Monte Carlo, gewidmet sind. Auch sie durfte im Frühjahr 2011 ihr „Hundertjähriges“ feiern. Vor 100 Jahren wurde die erste „Monte“ als ein Werbegag der monegassischen Hoteliers ins Leben gerufen. Sie hatten die Absicht, damit auch in den Wintermonaten betuchte Gäste aus aller Welt an die Cote d’Azur zu locken. Daher wurde die erste Auflage, die der Zigarrenfabrikant Alexandre Noghès als Präsident des örtlichen Fahrrad- und Autoclubs 1911 inszenierte, auch als Sternfahrt ausgetragen.

An diesem Prinzip hielt die Veranstaltung, die später traditionell den Auftakt zur Rallye-WM-Saison bildete, lange Jahre fest. Etliche Siegerautos, wie beispielsweise auch die Fahrzeuge des viermaligen „Monte“-Gewinners Walter Röhrl, wurden für die „Essen Motor Show“ in diesem Jahr frisch herausgeputzt. Als erster „Monte“-Gewinner trug sich vor 100 Jahren der Franzose Henri Louis Rougier in das Geschichtsbuch ein. Er steuerte einen 25 PS starken Turcat-Méry. Nach einer dreijährigen Pause zählt die „Monte“ ab dem kommenden Jahr wieder zum WM-Kalender.

Wer zufällig am Mittwoch dieser Woche vor Ort ist, der sollte sich die Versteigerung des erstmals in Essen anwesenden englischen Oldtimer-Auktionshauses Coys nicht entgehen lassen. Das elitäre Haus von der Insel bringt in Halle 2, ab 15 Uhr, etwa 20 renommierte und wertvolle Fahrzeuge unter den Hammer. Zu den teils millionenschweren automobilen Kostbarkeiten gehören ein Aston Martin DB6 Saloon, ein Ferrari 364 GTB/4 Daytona, ein Jaguar C-Type, ein Lamborghini Urraco P2505 und ein Rolls Royce Silver Dawn in der äußerst seltenen Ausführung als Linkslenker.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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