Berliner Kfz-Gewerbe: Sommerfest mit hoher Resonanz

Beitragsbild
Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4

Das Kfz-Gewerbe in der Bundeshauptstadt feierte mit zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur in seiner Ausbildungsstätte in Bernau, unweit der Spreemetropole, das diesjährige Sommerfest. Höhepunkte der Veranstaltung waren die Freisprechung der „Junggesellen“ und natürlich die geführte Besichtigung der Schulungsanlage, an der der Nachwuchs das A und O der Branche lernt.

Obermeister Thomas Lundt teilte mit: Das Berliner Kfz-Gewerbe bereitet sich intensiv auf die Herausforderungen der Zukunft vor. So beobachte die Branche sehr genau die technische Entwicklung alternativer Antriebe sowie den Komplex Elektromobilität. Letzterer beherrscht gegenwärtig die Verkehrs-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik. Sie wird sich aber auch auf die Bildungspolitik auswirken. Die Innung entwickelt derzeit Module für die Meisterausbildung, die sich mit alternativen Antriebssystemen beschäftigt. Schon jetzt werden Mitgliedsbetriebe geschult. Für die Arbeiten an HV-Systemen sind bestimmte Qualifikationen nötig. Ähnliches gilt für die Felder Hochvolt-Komponenten der Hybrid- sowie Elektrofahrzeuge. Die Innung stellt sich diesen Herausforderung und unterstützt intensiv die Anstrengungen der Innovationen bei Elektromobilen, um diesen wichtigen Zukunftsmarkt zu besetzen. Etwas salopp gesagt: Irgendwann kommen auch diese Fahrzeuge in die Werkstätten und müssen repariert werden. Das Know-how dafür erwirbt niemand im Vorrübergehen.

In Berlin gibt es ab dem kommenden Herbst wieder mehr als 1.800 Auszubildende im Kfz-Gewerbe. Hinzu kommen 142 Meisterschüler, unter ihnen befinden sich vier Frauen. Lundt bekräftigte: Die Berliner Innung kümmert sich immer verantwortungsbewusst um ihren Nachwuchs. Das gehört zur Verantwortung eines Unternehmens. Heute geistert in einigen Branchen das Wort Fachkräftemangel. Nun ja, wer die Nachwuchs-Ausbildung vernachlässigt, muss wohl „brüllen“.

Lundt, selbst Inhaber eines Porschebetriebes mit mehreren Mitarbeitern, weiß wovon er spricht. Auch er hätte gern Schulabgänger mit Traumnoten. Gibt es in der Realität selten. Das Handwerk steht aber in großer Konkurrenz zu anderen Berufen. Nicht auszubilden ist eine gesellschaftspolitische Bankrotterklärung und ein Verbauen der Zukunft. Deshalb ging der Obermeister einen anderen Weg. Vor drei Jahren bat er die Arbeitsagentur in Berlin Neukölln, den schlechtesten Ausbildungsplatzbewerber zu schicken, um ihm eine Lehrstelle zu geben. Nach großem Unverständnis und vielen Fragen klappte es. Es erschien der 17-jährige Veton Ljoki, mit Migranten-Hintergrund, den Kopf hängend und verschlossen, mit seiner Mutter. Sein Zeugnis sprach Bände. Dennoch wurde der Ausbildungsvertrag zum Kfz-Servicemechaniker geschlossen.

Mit sehr viel Mühe und Einfühlungsvermögen sowie erste handwerkliche Erfolge wurde aus dem einstigen Sorgenkind ein motivierter Auszubildender der vor Jahresfrist die Gesellenprüfung erfolgreich abschloss. Veton wurde von der Firma übernommen und ist heute ein geachteter Fachmann. Lundt wiederholte dies und erhielt vor Jahresfrist einen Kandidaten, deren Referenzen fast noch ärger waren. Wenige Monate später ist der junge Mann nicht wiederzuerkennen. In Kürze beendet er das erste Ausbildungsjahr mit guten bis sehr guten Ergebnissen.

Lundts Appell an seine Kollegen in Bernau: „Wer in unserer Gesellschaft sein Geld verdient, muss auch Verantwortung tragen. Wer garantiert denn, dass die vermeintlich geeigneten Kandidaten die Ausbildung erfolgreich beenden? Gebt auch den Schulabgängern eine Chance, schaut Euch die Menschen an – nicht so sehr die Zeugnisse.“

Text und Fotos: Erwin Halentz

Nach oben scrollen