Buchtipp der Woche

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Marko Kilpi: Erfrorene Rosen. Grafit Verlag; 8,99 Euro.

Die Menschen haben bestimmte Vorstellungen von der Polizei. Auf die Polizei ist Verlass. Wenn alles andere versagt, wenn sonst nichts mehr hilft, ruft man die Polizei. Die Polizei weiß die Antwort auf jede Frage. Ein Polizist ist stark, untadelig, geradlinig. Wie ein Comic-Held, fast ein Fabelwesen.

Wer wollte nicht so sein? Olli Repo will. Und beendet Hals über Kopf seine vielversprechende Karriere in der Werbebranche, um Polizist zu werden. Ein Praktikum führt ihn ausgerechnet in seine verhasste Heimatstadt. Zu allem Überfluss wird ihm auch noch Tossavainen als Betreuer zugeteilt, der auf den ersten Blick genau den Typus Mensch verkörpert, den Olli verabscheut. Doch als in einem Kaufhaus eine Bombendrohung eingeht und in einer stillgelegten Fabrik tatsächlich eine Bombe explodiert, lernt Olli die nüchterne Arbeitsweise seines Kollegen zu schätzen. Denn ihn selbst verunsichern die Ermittlungen immer mehr: Olli erfährt nicht nur beunruhigende Dinge über seine eigene Vergangenheit, sondern muss sich nach Jahren des Schweigens auch wieder mit seinem herrschsüchtigen Vater auseinandersetzen. Wieso weiß ausgerechnet der so viel über die Bombendrohung und das mögliche Muster, nach dem der Täter vorgeht? Olli begreift, dass er diesen Fall lösen muss, um die Schatten seiner Kindheit hinter sich zu lassen.

Eine gewisse Sprödigkeit, die der finnischen Kultur – durchaus öfters mal zu Recht – nachgesagt wird, findet sich durchaus in diesem Roman, der an Spannung nichts zu wünschen übrig lässt.

In gewisser Weise geht Olli als alter ego des Autors durch: Marko Kilpi, 1969 in Rovaniemi geboren, war mehrere Jahre in der Filmindustrie tätig, bevor er sich entschloss, eine Ausbildung an der Polizeihochschule zu absolvieren. Sein Arbeitsalltag bei der Polizei in Kuopio lieferte ihm schließlich auch den Stoff für seinen Debütroman Erfrorene Rosen, für den er von der Finnish Whodunnit Society mit dem Finnischen Krimipreis für das beste Debüt 2008 ausgezeichnet wurde. Er lebt mit seiner Frau und vier Kindern in Kuopio.

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