Reife(n) Leistung aus Brüssel?

Beitragsbild
Foto 1

Wenn in der Bundesrepublik Deutschland neue Gesetze zum Thema Straßenverkehr am Widerstand der Betroffenen oder einer Lobby zu scheitern drohen, wird gerne mit der Hintertür Brüssel jongliert und gedroht, in der Hoffnung, dass von dort mehr Erfolg zu erwarten ist. Das hat bekanntlich schon mehrfach geklappt. Man denke nur an die Durchsetzung der Prüfnormen für die Frontbügel (ehemals Kuhfänger oder Elefantenbremsen genannt), die dazu führte, dass aus diesen Rohrgebilden nun sogenannte Personenschutzbügel geworden sind, die der Aufgabe, die sie ehedem als Ramm-Schutz inne hatten, nun kaum noch nachkommen, sondern eigentlich nur noch Zierrat darstellen. Zierrat nach EG-Norm. Ähnliches wird auf die Fraktion der Geländewagen- und SUV-Fahrer erneut zu kommen: Diesmal sind es die Reifen, die stören.

Ihr Abrollgeräusch soll insgesamt um 2 dB (Dezibel) ab 2016 vermindert werden. Ist das schon für normale Pkw-Reifen ein technischer Akt, der mit hohen Kosten bei der Entwicklung einher geht (Zitat eines Produktmanagers aus der Gummi-Industrie: Das gibt Eiertänze noch und nöcher für die Reifenentwickler), wird diese Geräuschminderung für die speziellen Reifen der A/T- und M/T-Familien (All Terrain und Mud Terrain) technisch kaum noch zu stemmen sein. Diese Pneus sind für offenes, schweres und höchst anspruchsvolles Gelände gebaut, gehören folglich auf Nutzfahrzeuge und Allradler, wie sie nicht nur von Offroad-Freunden im Urlaub, sondern vor allem von Forstmitarbeitern, Polizei, technischen Hilfsdiensten, Feuerwehr und Jägern eingesetzt werden.

Genau für diese Klientel hieße es dann Aus die Maus, nichts geht mehr, dafür bleibt ihr schon in der kleinsten Schlammpfütze stecken. Für die Technokraten in Brüssel hieße das, dass ab 2017 bereits Ausnahmebewilligungen für die oben genannte Kundschaft geschaffen werden müsse. Das mag als Szenario zwar möglich sein, aber für die Mehrzahl der 4×4- und SUV-Fahrer, die diese Reifen nur für ihre Urlaubsfahrt montieren wollen und müssen, würde das bedeuten, dass sie künftig auf ihr Hobby, das ja dem Staat viel Bares in die Kassen spült, verzichten müssen.

Den Aufstand wird aber auch die Automobilindustrie proben, die dann eine Menge der beliebten Fahrzeuge nicht mehr verkaufen kann und wird. Folglich wird sie mit der üblichen Keule, dem Verlust von Arbeitsplätzen, drohen. Und damit konnte schon so manches in der Entstehung befindliche Gesetz verhindert werden. Zu hoffen bleibt, dass bei dem geplanten Gesetz zur Minderung von Reifenabrollgeräuschen ein erträgliches und machbares Maß gehalten wird. Von allen beteiligten Seiten.

Text und Fotos: CineMot/Frank Nüssel

Nach oben scrollen