Dakar 2011: E-Mail aus Argentinien

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Sie werden Emporio Mendoza kaum kennen. Wir schrieben den Januar 1987: Rallye Monte Carlo, Wertungsprüfung Burzet in der Ardeche. Ein Meter Schnee, 15 Grad Kälte. Sturm. Walter Röhrls letzte Monte: auf dem Audi 200 Turbo mit 4 Türen (Taxi). Neben mir fror Emporio Mendoza. So lernten wir uns kennen. Emporio war damals Verlagsbesitzer, Chefredakteur einer mittelprächtigen Tageszeitung und Sport-Ressortchef in Personalunion in einem mittelamerikanischen Kleinstaat. Dann kam die Globalisierung, Digitalzeitalter in der Kommunikation. Zeitungssterben. Emporio verkaufte alles rechtzeitig und blieb Rallye-infiziert. Nun reist er seit Jahren von einem Wüstenrennen zum anderen, als kritischer Tourist, versteht sich. Er schrieb mir seine ersten Eindrücke von der Dakar 2011 nach 3 Renntagen:

Guter, alter Freund im kalten Deutschland, anbei einige Beobachtungen vom Rallyegeschehen. Wir sind am Fuße der Anden angekommen. Schwülwarm noch, das wird sich ändern. Sehr ändern. VW ist mit den Werks-Touaregs zunächst noch vorne. Sainz und Al-Attiyah lassen sich kaum aus den Augen, der Araber will diesmal unbedingt gewinnen. Sainz hat ihn fast ständig im Rückspiegel. Peterhansel, der alte Wüstenfuchs auf dem X-raid-BMW X3 CC, lässt beide an der mittellangen Leine vor sich, macht nur dezenten Druck. Die ersten Etappen sind recht flach, schottrig und schnell. Das kommt den platten Plastikflundern von VW entgegen. Peterhansel wartet auf Tiefsand und Dünen. Das ist sein Metier. Drum wäre er viel lieber wieder in Afrika gefahren, sagte er mir vorgestern. Seine Stallkollegen Holowczyc (Polen), Novitzkiy (Russland), Dos Santos (Portugal) und Terranova (Argentinien) liegen eng beieinander und sichern ihn nach hinten ab. Chicherit auf dem brandneuen Mini hat auf der 2. Etappe fast 50(!) Teilnehmer nach seinem Bremsenpech überholt und ist schon bald unter den besten 20. Das rein deutsche Team Schott/Schmidt liegt Mitte der 20er Plätze, schließlich ist es ein Leasing-Renner, den sie pilotieren, da darf nicht allzu viel kaputt gehen. Bei VW ist der Bär los, da Teamchef Nissen einigen Klagen wegen Mobbings entgegen sieht. Heute sagte er den Journalisten: 'Nasser und Stephane fahren in einer eigenen Liga, dann kommt eine starke Armada an BMW's, wenn Robby Gordon (Hummer) noch was gewinnen will, muss er schneller und doch schonender fahren.' Ich melde mich in dieser Woche wieder. Vaya con Dios.

Danke, Emporio, für Deine kritischen und offenen Einschätzungen, ich freue mich auf Deine nächste E-Mail, entweder aus den Gebirgen der Anden oder gar der Atacama-Wüste.

Text: CineMot/Frank Nüssel
Fotos: Neil Perkins/Privat

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