Los Angeles: Ein automobiles Stadtporträt

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Wenn es dunkel wird in Las Vegas, dann beginnt auf dem „Strip“ das Leben. Nicht nur abertausende von Spielern und Nachtschwärmern bummeln dann über die meterbreiten Bürgersteige des „Las Vegas Boulevard“, der statt Zebrastreifen nur Überführungen mit Rolltreppen kennt. Sondern auch auf der fast sieben Kilometer langen Straße selbst, die sich wie die Lebensader der Glitzerwelt von der alten Fremont Street bis hinauf zum Mandalay Bay Hotel zieht, ist die Hölle los. Denn egal zu welcher Nachtzeit man hier unterwegs ist, man steht eigentlich immer im Stau – und rings herum die schärfsten Sportwagen aller Zeiten. Wie sonst allenfalls noch Los Angeles, Miami und New York ist die Spielermetropole in Nevada eine amerikanische PS-Hochburg, in der man fast so viele Ferraris sieht wie Ford, vor jedem zweiten Hotel ein halbes Dutzend Rolls-Royce warten und mehr Stretch-Limousinen umherfahren als bei der Oscar-Verleihung in Hollywood. Ford Mustang, Chevrolet Camaro oder Dodge Challenger röhren hier in der Rotphasen im Chor, den Lamborghini Gallardo begrüßen die Fußgänger mit begeisternd gerecktem Daumen und nach einem Maybach dreht sich vor dem Hotel Bellagio kaum mehr jemand um.

Wo das schnelle Geld am Spieltisch winkt, sind schnelle Autos nicht weit. Im Wynn-Hotel und dem Zwillingsbau Encore zum Beispiel gibt es deshalb praktischerweise gleich einen riesigen Showroom für Ferrari und Maserati, in dem fast zwei Dutzend Autos beinahe rund um die Uhr auf ihre neuen Besitzer warten. Zehn Dollar Eintritt zahlt man da doch gerne, wenn man mit einem Full-House gerade den Pokertisch abgeräumt hat. Außerdem wird das Geld natürlich auf den Kauf angerechnet, sagt die freundliche Dame an der Kasse, die nur jene Kunden kostenlos durchlässt, die bereits den richtigen Autoschlüssel in der Tasche haben.

Falls die Gewinne nicht ganz so üppig ausgefallen sind, kann man nebenan in der Ferrari-Boutique oder drüben im Lamborghini-Store der Schwesterhotels Venetian und Palazzo zumindest schon mal das passende Outfit zum Traumwagen anprobieren. Denn wo andere Hotels allenfalls ein paar Bikinis, Handtücher und Bademäntel im Angebot haben, gibt es dort die komplette PS-Kollektion – vom Tretauto bis zum Rennanzug.

Aber die Autowelt von Las Vegas hat nicht nur den Nachtschwärmern etwas zu bieten: Draußen vor den Toren der Stadt locken auf dem Las Vegas Speedway die Sportfahrertrainings und Rennwagen-Taxen, und in der Einöde drum herum kann man mit Motorrad, Buggy oder Pick-Up-Truck zum schnellen Ganzkörperpeeling durch den Wüstensand pflügen. Nur einen Steinwurf von der Rennstrecke entfernt liegt auch die Zentrale der Tuning-Legende Carroll Shelby. Zwar ist der rasende Rentner, der mittlerweile stramm auf die 90 zugeht, die meiste Zeit drüben im beschaulichen Palm Springs, doch kann man zumindest ein kleines Museum besichtigen und sich durch die Fabrik führen lassen. Dort entstehen neben mehreren hundert getunten Mustangs auch heute noch 75 Cobras pro Jahr, die genauso aussehen wie das alle erste Exemplar des Kultsportwagens, das natürlich einen Ehrenplatz im Museum hat.

Ebenfalls bei Tag und Nacht sehenswert ist „The Auto Collection“ im Parkhaus des Imperial Pallace Hotels. Was früher mal die imposante Sammlung des Casino-Pioniers Ralph Engelstad war, ist heute der nach eigenen Angaben „größte Oldtimerhändler der Welt“. Wo an normalen Ausstellungsfahrzeugen in der Regel „Bitte nicht berühren“ steht, klebt hier deshalb an über 100 Klassikern aus mehr als 100 Jahren meist ein Preisschild.

Selbst wer abends ermattet in sein Hotelbett sinkt und nur noch durchs TV-Programm zappt, erlebt Las Vegas als einzigartige Auto-Metropole. Schließlich geht draußen im Vorort Henderson gleich Josh Towbin auf Sendung. Er feiert sich selbst als „King of Cars“, gilt als einer der erfolgreichsten Autohändler in Amerika und ist ganz sicher der einzige, der seine eigene Fernsehsendung hat. Bund kostümiert und ungeheuer laut bringt er dort nach ein bisschen Tuning selbst die letzten Rostlauben unters Volk – allerdings zum Schnäppchentarif. Während man drin in der Stadt für einen Sportwagen tief in die Tasche greifen oder oft Glück im Spiel haben muss, gibt es bei ihm neben der schnöden Massenware vom Chrysler 300C bis zum Ford Focus sogar mal einen Ferrari oder Rolls Royce für die Hälfte. „Ich habe noch jeden Preis klein gekriegt. Nicht umsonst nennt man mich Chop, die Hacke“, sagt der King of Cars, der mühelos auch als Gangsta Rapper durchgehen würde.

Wem selbst die Autos aus seiner Show zu teuer sind, für den lohnt sich in Las Vegas auf jeden Fall der Weg zum Autohändler: Statt Honda und Chevrolet hat der Hummer und Corvette, und auf Wunsch auch Lamborghini, Ferrari oder eine Dodge Viper. So kann man in Las Vegas auch dann zum Schaulaufen auf dem Strip starten, wenn man den Jackpot nicht geknackt hat – zumindest für eine Nacht.

Text und Fotos: Benjamin Bessinger/Spot Press Services

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