Auf der Flucht aus dem Abwärtsstrudel: 79. Automobilsalon in Genf (2)

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Viele Aussagen im Vorfeld der traditionellen Frühjahrsmesse muten in diesen wirtschaftlich unsicheren Tagen wie das hinlänglich bekannte Rufen im Walde an. Aus Angst und Unwissenheit vor dem, was denn da kommen mag. Bei Absatzeinbrüchen von 30 Prozent und mehr und der weltweiten Verzahnung der Industrie und ihrer Zulieferer-Kette mit etlichen Millionen Beschäftigten traut sich niemand mehr gesicherte Prognosen für das Wirtschaftsjahr 2009 zu. Wir fahren auf Sicht ist ein allseits gern gebrauchtes geflügeltes Wort aus der Branche in diesen Tagen. Auto-Papst Ferdinand Dudenhöfer von der Uni Duisburg spricht vom schwärzesten Jahr, das der Auto-Industrie seit dem zweiten Weltkrieg bevor steht.

In diesem Abwärtsstrudel der Branche suchen die Hersteller ihr Heil nicht in den im ersten Teil beschriebenen, auf Hochglanz polierten Nobelkarossen, sondern vornehmlich in Kleinwagen, Öko- und Spritsparmodellen sowie Nischenautos. Und von denen gibt es eine Menge neuer Exemplare in Genf zu sehen. Die Schauflächen der Hersteller dominieren deshalb auch in erster Linie bezahlbare Modelle wie das neue Fiat 500 Cabrio, der in Teil 1 bereits erwähnte Volkswagen Polo, der Alfa Romeo Mito, der Toyota IQ, oder der Škoda Yeti. Audi dagegen behandelt den A1 noch als geheime Verschlusssache und präsentiert stattdessen das neue A5 Cabrio (mit Stoffdach) oder den A4 auf Abwegen als Allroad Quattro. Auf Porsche-Hatz geht der 340 PS starke TT RS.

Das erstmalige Auftreten von Brilliance in Mitteleuropa haben Freunde der Branche bereits vor Jahren als die eigentliche Krise bezeichnet. Zu einem Zeitpunkt, als die aktuelle Signifikanz des Wortes noch gar nicht gegeben war. Jetzt warten die Chinesen am Genfer See mit der Kombi-Version des BS4 auf, der mit Kampfpreisen ab 17.000 Euro bei den Langnasen auf Kundenfang gehen soll. Citroën möchte mit dem neuen C3 Picasso, einem extravaganten französischen Raumwunder, vor allem junge Familien ansprechen. Bei Einstiegspreisen unterhalb von 15.000 Euro durchaus kein aussichtsloses Unterfangen. Ford lockt neben den neuen Kleinwagenmodellen Ka und Fiesta mit einem höchst giftigen Kompaktmodell, dem 305 PS starken Focus RS ab 33.900 Euro.

Honda möchte mit dem preisgünstigen Insight (knapp 20.000 Euro) der Hybrid-Technik zu neuen Freunden verhelfen und der Kombination aus Benzin- und E-Motor den Weg zu einem echten japanischen Volkswagen bereiten. Hyundai präsentiert mit dem Getz-Nachfolger i20 einen Hoffnungsträger im Kleinwagen-Segment. Landsmann Kia möchte mit dem neuen Lifestyle-Kastenwagen Soul vor allem die Herzen junger Käufer im Sturm erobern. Mazda tritt mit dem neuen Mazda3 gegen die Konkurrenz von Golf und Co an. Zwei neue 2,2-Liter-Dieselmotoren bereichern die Triebwerks-Palette des 3er, dessen Preisliste bei etwa 17.000 Euro beginnt. Außerdem erhält der MX-5 zum 20-jährigen Modelljubiläum ein leichtes Facelift. Umweltbewusstsein demonstriert Mitsubishi mit einer Spritsparversion des Colt. Dank Start-Stopp-Automatik, Bremsenergierückgewinnung und Leichtlaufreifen sollen die beiden 75 PS und 95 PS starken Benziner mit rund fünf Litern Sprit auf 100 Kilometer auskommen.

Nissan bringt neben dem bereits erwähnten Stadtauto Pixo den kubischen Fünftürer Cube mit. Er soll mit 3,73 Meter Länge und einem Wendekreis von nur 9,20 Meter ein richtiger Gassenjunge werden. Angetrieben wird der Cube wahlweise von einem Benziner mit 110 PS oder einem Diesel mit 86 PS. Dass das Haus neben City-Cars und (recht erfolgreichen) Crossover-Modellen auch vom Bau sportlicher Kraftpakete etwas versteht, demonstriert man mit dem Nachfolger des 350Z, der dank des auf 3,7 Liter angewachsenen Hubraums 370Z heißt. Der Einstiegspreis von 38.690 Euro des 331 PS starken V6-Hecktrieblers liegt zudem weit unter dem Niveau vergleichbarer Spaßmobile.

Neben dem Elektro-Auto Ampera lenkt die schwer gebeutelte GM-Tochter Opel die Blicke der Interessenten vor allem auf die Kombi-Version des Insignia, die unter dem Namen Sports Tourer firmiert. Warum ein Begriff wie Caravan (denn nichts anderes ist der Insignia Kombi) so verhunzt wurde, bleibt das Geheimnis seiner Erfinder. Preislich und leistungsmäßig interessant dürfte der siebensitzige Zafira CNG mit 150 Turbo-aufgeladenen PS werden. Der Erdgas-Van startet bei 25.430 Euro. Er hat zwar preislich die Nase vorn, beim Tankstellennetz (ca. 800 bundesweit) liegt er aber immer noch hinten.

Text: Jürgen C. Braun / Fotos: Hersteller

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