Test-Tour: Alfa Romeo MiTo 1,4 Turbo

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Wir sind der einzige Automobil-Hersteller in diesem Segment, deren Fahrer einen eigenen Namen haben. Ein Alfisti steht für Sportlichkeit und Emotion. Falsche Bescheidenheit ist den Alfa-Romeo-Leuten fern, wenn es um ihren Jüngsten und Kleinsten geht, der am letzten September-Wochenende dieses Jahres auf dem deutschen Markt eingeführt wird. Kesse Töne sind da schon eher das Markenzeichen des neuen Milanese-Flitzers, der den Kunstnamen MiTo trägt. Ein Name, der Aufbruchsignal und Markenzeichen für das Zusammenwirken und Bündeln der Kräfte gleichermaßen ist. Der Alfa Romeo MiTo weist auf seine beiden Geburtsstädte hin: Die beiden ersten Buchstaben für Milano, wo das Design des feurigen Italieners geschaffen wurde. Die beiden letzten Buchstaben für Torino, wo das Auto, mit dem die sportive Marke des Fiat-Konzerns Neuland betritt, produziert wird.

Auf Raubfang bei der Konkurrenz wolle man mit dem neuen MiTo gehen, lassen die Alfa-Manager vor dem Start des jüngsten Scudetto-Trägers wissen. Obwohl von mehreren Wettbewerbern die Rede ist, wird doch bald klar, dass vor allem der zur BMW Group gehörende Mini Ziel der italienischen Attacken sein soll. Nur allzu gern werden Quervergleiche in Sachen Ausstattung und Preisgefüge bemüht.

Um gleich mit Vollgas ins neue Segment zu rauschen, gibt sich Alfa nicht mit niedrigen PS-Zahlen zufrieden. Sowohl bei den Ottomotoren wie bei den Dieseln gelten die beiden Einstiegsvarianten als Pflichtprogramm. Der 1,4 Liter Benziner mit 95 PS dürfte genau so wenig zum Verkaufsschlager werden wie der kleine Selbstzünder mit 1,6 Liter Hubraum und 120 PS. Statt dessen setzt man große Hoffnungen auf den Abgas-aufgeladenen Benziner mit 155 PS, den wir uns besonders zu Gemüte führten.

Millionenstädte wie Hamburg, wo wir den 4,06 Meter langen und 1,2 Tonnen leichten Alfa Romeo MiTo bewegten (siehe Bild links am Jungfernstieg), eignen sich zwar nicht besonders, um beim Ampel-Jumping die Qualitäten eines neuen Fahrzeugs unter Augenschein zu nehmen. Doch zumindest der optische Eindruck, den der Proband auf die städtische Laufkundschaft macht, lässt sich in Augenschein nehmen. Nimmt man das Interesse vor allem der jugendlichen Betrachter als Maßstab, darf sich der Hersteller vermutlich auf gute Geschäfte freuen: Der Alfa MiTo hat gute Chancen, insbesondere bei Käufer(inn)en unter 30 mit dem Sieht-der-gut-aus-Faktor zu punkten.

Ohnehin gilt die Zielgruppe der gut betuchten Yuppies, die im weltweiten Blog- und Youtube-deutsch miteinander kommunizieren, offenbar als vermeintlich lohnendste Käuferschar. Eine eigens dafür geschaffene Kommunikations-Plattform namens www.alfabet.com erleichtert den gegenseitigen Gedankenaustausch (nicht nur über italienische Autos) unter Zuhilfenahme menschlicher Urlaute wie dem Grunzen im tiefsten Moll bis hin zum fertigen Techno-Label.

Dessen eingedenk, ist der auf dem Fiat Grande Punto basierende MiTo nicht nur äußerlich ein kompromissloser New-Wave-Vertreter. Je nach Ausstattung bevorzugt er innen gediegenes Leder, Chrom-Konsolen oder fein eingelagertes Karbon-Imitat. Hinzu kommen die bekannten Alfatypischen, tiefen Höhlen, in denen die glühend roten Instrumente mittels zuckender Zeiger auf ihren Existenz-Nachweis warten. Ein wenig bescheiden erschien uns dagegen das Platzangebot für Knie und Beine. Auch dann, wenn man nicht als potenzieller NBA-Center auf die Welt gekommen ist. Daher hat Alfa die Rückbank aus gutem Grund nur für zwei Leute ausgelegt.

Gott sei Dank durften wir den 1,4-Liter-Turbo auch noch etwas im Umland der Hanse-Metropole bewegen, wo der dreitürige Alfa vor allem bei hohen Drehzahlen einen ungemein flotten Eindruck machte. 215 km/h Spitze und ein Sprint von Null auf 100 in 8,0 Sekunden sind jedenfalls äußerst ordentliche Werte. Eine kleine Schaltwippe in der Mittelkonsole mit dem Namenskürzel DAN erinnert an das legendäre Manettino der rassigen Schwestermarke Ferrari .

Mit dieser serienmäßigen Vorrichtung lässt sich auf Knopfdruck wahlweise der Charakter des Fahrzeugs verändern. So ändert die Elektronik je nach Stellung des Wahlhebels den Toleranzbereich des ESP, die Empfindlichkeit des Gaspedals und die Unterstützung der Servolenkung. Ab dem Frühjahr 2009 soll auch eine Doppelkupplung erhältlich sein. Bei 14.700 Euro beginnt die Preiswelt des MiTo, die allerdings mit stärkeren Motoren und jede Menge Extras noch viel Luft nach oben lässt.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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