Buchtipp der Woche

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Barack Obama: Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie. Hanser Verlag; 24,90 Euro.

Das Buch erschien erstmals 1994 und wurde zehn Jahre später überarbeitet – da spielte Barack Obama schon eine größere politische Rolle. Weitere vier Jahre später erscheint das Buch in deutscher Übersetzung – ganz klar auch mit dem Ziel, jenen Mann in Deutschland etwas bekannter zu machen, der zur Zeit beste Chancen hat, George W. Bush als US-Präsident zu beerben.

Gelänge Obama dies, es wäre – völlig unabhängig von Versprechen, politischen Zielen und sonstigen Faktoren – eine Sensation. Denn Barack Obama ist ein Schwarzer. Als er geboren wird, 1961, da erheben die Schwarzen gerade ihre Stimme, machen auf ihre Situation aufmerksam. Martin Luther King wird dies wenige Jahre später mit seinem Leben bezahlen. Barack Obama als US-Präsident – das heißt: Versöhnung ist möglich. Menschen können aus Irrtümern lernen und sie korrigieren. Es gibt sie eben doch – die vielfach beschworene, so oft herbeigesehnte und (leider) längst nicht so oft praktizierte Solidarität.

Barack Obama hat kämpfen müssen, keine Frage. Er wird mit Rassismus konfrontiert, aber er entwickelt keine menschenverachtende Haltung dadurch. Er will sich für Bürgerrechte einsetzen, da ist er noch keine 25, aber er erfährt, dass ein solches Anliegen nicht überall willkommen ist. Ein schwarzer Wachmann im Unternehmen, bei dem er arbietet, rät ihm sogar von seinem idealistischen Unterfangen ab: Obama solle doch besser seine Talente gewinnbringend einsetzen, Geld verdienen – und sich nicht in so ein aussichtsloses Unterfangen stürzen.

Trotzdem geht er seinen Weg, auch als Anwalt, der sich auf Bürgerrechte spezialisiert. Diesen Weg erzählt er sympathisch, ungekünstelt, mit moderatem Pathos, nie übertrieben. Und er raucht in seinen eigenen Schilderungen, nicht gerade wenig; sehr häufig zündet er sich eine Zigarette an, wenn ihn etwas anstrengt, wenn er nachdenkt, und auch beim Feiern ist der Glimmstängel oft dabei. Angesichts dieses Details mag man ihm den Nicht-Karrieristen gerne glauben, denn kaum etwas ist doch aufstiegsschädlicher in den USA als das Bekenntnis zum Nikotin.

Nur eine Frage lässt er offen: Wie wird er seine eigenen Erfahrungen in Politik umsetzen, sollte er auch die letzten Hürden zur Präsidentschaft nehmen? Wird er die Hoffnungen auf eine Stärkung der Solidargemeinschaft erfüllen, was sich insbesondere gesundheitspolitisch viele Amerikaner wünschen? Oder wird er die Eigenverantwortung des Einzelnen stärken wollen? Sein persönlicher amerikanischer Traum jedenfalls lässt beide Deutungen zu. Vorerst.

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