Erste Erfahrungen: Cadillac BLS Wagon

Beitragsbild
Foto 1
Foto 2

Als moderner Kopfgeldjäger Tommy Nowak fing Leinwand-Ikone Clint Eastwood in der Komödie Pink Cadillac einst im Auftrag der Justiz Kautionsflüchtlinge ein. Mit farblich derlei ungewöhnlichen Modellen würde der amerikanische Hersteller hochwertiger und luxuriöser Fahrzeuge seine Marktchancen hierzulande aber nicht gerade verbessern. Doch wohl nicht (nur) aus diesem Grund bevorzugt der amerikanische Autobauer eine eher konventionelle Farbgestaltung. Da auf eigenem Terrain immer noch massive Absatzprobleme herrschen, gerät der außeramerikanische Markt für die GM-Tochter immer mehr in den Focus. In der Zentrale der amerikanischen Luxusmarke hat man längst gelernt, wie man in Europa Autos verkauft. Auch, dass unbedingt ein Kombi dazu gehört, will man etwa in good old Europe ein paar teure Euros verdienen. Daher bietet Cadillac jetzt mit dem BLS Wagon den ersten Kombi seiner 105jährigen Firmengeschichte an. Mit der zweiten Generation der kantigen Reiselimousine CTS wollen die Autobauer aus Detroit zudem in der Oberklasse Boden gegenüber der deutschen Konkurrenz gut machen.

Der BLS Wagon, die zweite Karosserie-Variante nach der im vergangenen Jahr eingeführten Limousine Sedan, basiert auf der 9-3-Reihe von Saab und nutzt damit die Konzern-Synergien. Zur Markteinführung des Kombis mit Straßenkreuzer-Feeling stehen sechs Turbomotoren mit vier und sechs Zylindern zur Verfügung: drei Benziner, zwei Diesel und ein umweltfreundlicher Flexpower Bioethanol von Saab. Das Leistungsspektrum reicht dabei von 150 bis 255 PS. Für die Kraftübertragung sorgt jeweils ein Sechsgang-Getriebe, entweder manuell oder automatisch. Im Herbst nächsten Jahres soll ein Vierradantrieb von Saab für das Spitzenmodell mit dem 2,8-Liter-V6-Aggregat die Modellpalette bereichern, für 2009 ist eine Hybrid-Version angesagt.

Der BLS Wagon ist optisch kein Brüller, lehnt sich mit dem mächtigen Kühlergrill und markanten, klar strukturierten Design-Elementen an die historischen Vorgaben des Hauses Cadillac an. Mit einer Länge von 4,72 Meter überragt der in vier Ausstattungslinien erhältliche Kombi die Limousine um vier Zentimeter. Der Einstiegspreis von 29.600 Euro liegt um 1.400 Euro über dem der Limousine. Das Kofferraumvolumen reicht von 419 bis 1280 Liter bei umgeklappten hinteren Sitzen. Unter dem Ladeboden befinden sich weitere Möglichkeiten zum Verstauen sperriger Gegenstände. Knie- und Kopffreiheit sind ordentlich, die Beinauflage dürfte dagegen etwas reichlich bemessener sein. Das Fahrwerk des rund 1,5 Tonnen schweren Fronttrieblers ist für US-Verhältnisse fast schon brutal sportlich abgestimmt, der geneigte europäische Kunde empfindet es eher als straff und komfortabel.

Mit mehr Luxus im Innenraum, reichlich kantig-extravagantem Design und zwei überarbeiteten Sechszylinder-Benzinern mit einem Hubraum von 2,8 und 3,6 Liter tritt der Cadillac CTS gegen Mercedes und Co an. Ein ziemlich beeindruckendes Ungetüm von Auto, das seine amerikanischen Gene nicht verhehlen kann und möchte. Das Prinzip des Länger, höher, breiter gegenüber dem Vorgängermodell wurde auch in diesem Falle nicht vernachlässigt. Mit 4,86 Meter lugt der CTS schon fast an die Fünfmeter-Marke heran. Gegenüber einem vergleichbaren 5er BMW ist die viertürige Reiselimousine mit einem Einstiegspreis von 36.290 Euro für den 211 PS starken 2,8 Liter V6 um fast 20 Prozent günstiger. Und auch die Serienausstattung mit sechs Airbags, Einparkhilfe, Xenon-Scheinwerfer und ESP kann sich sehen lassen. Anstelle des Hecktrieblers ist für 2.600 Euro Aufpreis auch eine Allrad-Variante erhältlich.

Nur ein Wunsch wird dem Kunden nicht erfüllt: der Pink Cadillac. So viel Exklusivität sei Clint Eastwood gestattet.

Text: Jürgen C. Braun

Nach oben scrollen