Erste Erfahrungen: Fiat Linea – Der Kofferraum lebt

Foto 1
Foto 2

Nicht nur in der Tier- und Pflanzenwelt nimmt der Artenschwund zu. Auch bei der Karosserievielfalt ist eine zunehmende Abnahme von einzelnen Gattungen zu verzeichnen. Besonders betroffen ist die klassische Limousine, auch bekannt unter der Bezeichnung Stufenheck. Längst bestimmen Kombi, Fließheck und viele Mischformen (Crossover) das Straßenbild, das Stufenheck mit der traditionellen Aufteilung Motor-, Passagier- und Kofferraum stirbt langsam aus. Wirklich? Nun ja, zumindest für die westeuropäischen Straßen – mit Ausnahme Finnlands- trifft diese Zustandsbeschreibung auf jeden Fall zu, doch außerhalb Westeuropas lebt das Stufenheck besonders bei preiswerten Modellen munter weiter. In östlicheren Gefilden schätzt man das gute Platzangebot und das große Gepäckvolumen von Limousinen, dafür wird das oft biedere Äußere gern in Kauf genommen.

Der neue Fiat Linea, die Stufenheckvariante des Fiat Grande Punto, zielt auf die preisbewusste Kundschaft und steht ab Ende Juni bei den Händlern. Die genauen Preise liegen noch nicht fest, es geht aber bei rund 13.000 Euro los. Ab Werk gibt es unter anderem vier Airbags, elektrische Fensterheber, ein höhenverstellbares Lenkrad und Zentralverriegelung. ESP ist nur gegen Aufpreis erhältlich.

Der 4,56 m lange Viertürer (Breite: 1,73 m, Höhe: 1,50 m) sieht gar nicht schlecht aus und kommt eher elegant als altbacken daher. Damit dürfte das Aussehen des Wagens auch Käufer ohne Hut ansprechen. Im Inneren herrscht – anders als im Grande Punto- nüchterne und lieblose Sachlichkeit mit viel Kunststoff vor. Dafür machen die Materialien aber einen pflegeleichten Eindruck. Für die Passagiere ist viel Platz vorhanden und die Vordersitze sind angenehm straff gepolstert. Im Kofferraum lässt sich das Urlaubsgepäck einer Familie locker verstauen. Reicht das nicht aus, können die schon üppigen 500 Liter Fassungsvermögen durch Umklappen der Rücksitzlehnen auf 870 Liter erweitert werden.

Für den Vortrieb stehen zunächst drei Motoren zur Auswahl. Die zwei Benziner mit 1,4-Liter Hubraum mobilisieren 56 kW/77 PS und 88 kW/120 PS. Der 1,3-Liter-Selbstzünder leistet 66 kW/90 PS. Die meisten Käufer werden sich wohl für den kleinen Ottomotor entscheiden. Sie sollten dann allerdings keine Ansprüche an Beschleunigung oder Höchstgeschwindigkeit stellen. Von 0 auf 100 km/h braucht man 14,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 165 km/h erreicht. Dafür geht der Verbrauch mit 6,3 Litern (CO2-Ausstoß: 148 g/km) in Ordnung. Gar nicht ordentlich benimmt sich dagegen die Fünfgang-Schaltung, die hakelt zu gerne. Das Fahrwerk ist eher komfortorientiert abgestimmt, was aber zu dem Leistungsspektrum der Aggregate gut passt.

Der Linea wird wohl besonders in Osteuropa, China, Indien und Südamerika ein Verkaufserfolg werden. Jährlich sollen allein in der Türkei rund 60.000 Linea vom Band rollen. Weltweit sind sogar knapp 300.000 Einheiten vorgesehen. Da fallen die 2.000 erhofften deutschen Verkäufe kaum ins Gewicht: immerhin tragen sie dazu bei, das Stufenheck in Deutschland am Leben zu erhalten.

Text: Elfriede Munsch

Scroll to Top