Buchtipp der Woche

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Karin Deckenbach: War was, Eva? Wer sich nicht wehrt, endet am Herd. Droemer Verlag; 16,90 Euro.

Ostfriesisch, blond, rückständig – war das nicht das Bild, das von Eva Herman vor ganz kurzem erst durch die Öffentlichkeit ging? So ganz harmlos kann sie nicht aufgenommen werden, die Ex-Frontfrau der Tagesschau, sonst hätte ihre Journalistenkollegin Karin Deckenbach nicht flugs einen solch fulminanten Gegenentwurf veröffentlicht.

Denn das, was Eva Herman – vermeintlich – will, das haben wir ja schon, sagt Karin Deckenbach: Frauen, die eifrigst die Karriereleiter erklimmen, dabei ihre männlichen Mitbewerber in Leistung und Ausgefuchstheit noch um ein Vielfaches überbieten, wenn's sein muss – und doch suchen sie letztlich nach dem Mr. Right.

Und natürlich findet Karin Deckenbach Frauen, die dieses Bild bestätigen: Tough sitzen sie am Frauenstammtisch, den sie teilweise verspätet erreichen, weil sie fast direkt aus dem Flieger kommen – aber dann geht es los. Gesprächsthema ist und bleibt das, was – liest man diese Protokolle – tatsächlich die größte Problemzone der Frau zu sein scheint: der Mann.

Ist er der Richtige? Oder doch nicht? Vielleicht kommt noch was Besseres? Was geht in mir vor? Was macht es mit mir? Nabelschau en groupe, mit gegenseitiger Analyse gewürzt. Dass der aktuelle Lebensgefährte natürlich am Ende dieser Analyse niemals als Mr. Right dasteht – wen wundert's?

Die bisherigen Emanzipationserfolge, so Deckenbachs Fazit, waren bloß Teilerfolge. Und es muss weitergehen. Aber wie? Deutsche Familienpolitik, wie sie seit Jahrzehnten praktiziert wird, stellt die Journalistin als rückständig heraus, weil eben doch in größten Teilen an der Frau als Haus-Frau orientiert und die Berufs-Frau nur als Ausnahme sehend. Die Frau, die Beruf und Familie vereinen will, muss in diesen politischen Konzepten – ebenfalls seit Jahrzehnten – wie eine regelrechte Exotin wirken. Es fehlt an Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, es fehlt an Flexibilität, kurzum, es fehlt fast überall, weswegen die berufstätige Frau Kompromisse eingehen muss, bis am Ende doch der Verzicht auf eines steht: Beruf oder Familie.

Sicher hat Karin Deckenbach recht, wenn sie eine verbesserungsbedürftige Politik vorschlägt; abgesehen davon ist Politik stets ein Prozeß und von daher an sich verbesserungsfähig. Man schüttelt den Kopf, wenn sie aufzeigt, dass Frauen noch keine 100 Jahre zum Jurastudium zugelassen sind – so kurz erst? Und wenn Lore-Maria Peschel-Gutzeit, langjährige Justizsenatorin, von ihren studentischen Erfahrungen in der Männerdomäne Jura um 1955 berichtet, dann bleibt einem schon mal das Lachen im Halse stecken: Viel Geld habe sie aber schon ausgegeben, um einen Mann zu finden, beschied da ein Professor einer Studentin. Sie, im fünften Semester angekommen, hatte auf mehrere seiner Fragen keine Antwort gewußt. Darin unterschied sie sich nicht unbedingt von den männlichen Anwesenden, aber bei ihr kam die totale Verblüffung hinzu, überhaupt gefragt worden zu sein. Für den Prof Indiz der Studienuntauglichkeit dieser Frau – und willkommener Anlass für einen deftigen Witz.

So weit, so klar. Die Frage aber, warum die von Karin Deckenbach befragten Frauen die Suche nach dem Mr. Right nicht aufgeben oder lieber einen Mr. Wrong in Kauf nehmen, beantwortet die Journalistin nicht wirklich zufriedenstellend. Denn diese Suche werden auch noch so verbesserte Rahmenbedingungen nicht ändern. Selbst wer einräumt, dass Menschen nie perfekt sind und die Suche nach einem perfekten Partner scheitern muss und somit über die hier bisweilen referierten Ansprüche schmunzelt, muss zugeben: Reines Single-Leben muss auf Dauer nicht glücklich machen, nicht jede(r) muss dafür geschaffen sein. Wenn eben kein passendes Pendant zu finden ist, trotz Kompromissbereitschaft, wären ehrliche, offene Gespräche mit einer vertrauten Person und das Eingeständnis, eben nicht pausenlos tough sein zu können, vielleicht hilfreicher als politische Konzepte. Das hätte sich in War was, Eva? als Ergänzung noch gut gemacht.

Und wenn bei Karin Deckenbach Frauen zu Wort kommen, die ausdrücklich sagen, dass es sie nach wenigen Jahren der Berufstätigkeit nun doch zur Gründung einer Familie zieht – wo liegt da der Widerspruch zum Plädoyer der Kollegin Herman?

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