Erste Erfahrungen: Jaguar XK 2006

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Mehr Auto für weniger Kunden, so könnte man die Rückbesinnung von Jaguar auf die Werte Luxus und Exklusivität auslegen. Man hat in England eingesehen, dass der Weg, Jaguar zum Premium-Wettbewerber in der Businessklasse zu machen, für die Marke falsch war. Mehr Stückzahlen brachten weniger Geld in die Kassen und die alten Kunden wurden obendrein vergrätzt. Mit der Einführung des neuen Sportwagen Jaguar XK erfolgt nun eine Rückbesinnung auf die Zeiten, da Jaguar für Luxusauto stand und man sich bestenfalls mit den Bentleys und Maseratis dieser Welt messen musste.

Schön ist er, der neue XK. Sowohl als Coupé wie auch als Roadster macht der ganz aus Aluminium gebaute Sportler eine tolle Figur. Aggressiv duckt sich die lange Silhouette auf den Asphalt und erinnert optisch ein wenig an den Vorgänger, aber auch an den legendären E-Type. Hinzu kommt ein Schuss neuer Aston Martin. Insgesamt ein stimmiges Design. Das Coupé übernimmt die Rolle des Sportlers, während das Cabrio eher den Flaneur spielt. Beide stellt man am besten in den Park einer britischen Villa oder an die Cote D'Azur und man kann sich gut vorstellen, wie James Bond mit dem XK Mädels und Mörder jagt. So gesehen das richtige Auto zum neuen Werbespruch Gorgeous was born that way. Was gar nicht erst übersetzt wird, weil gorgeous ohnehin keine genaue deutsche Entsprechung hat.

Außen wie innen verbinden sich Retro-Elemente von Jaguar mit klaren und modernen Linien. Die körperbetonten Sitze sind bewusst tief angeordnet, um dem Fahrer ein echtes Cockpit-Gefühl zu vermitteln. Mit einem längeren Radstand, breiterer Spur und höherer Dachlinie bietet das 2+2-sitzige Coupé mehr Fußraum und Schulterfreiheit als sein Vorgänger. Die minimalistisch gehaltene Instrumententafel hat, Tradition verpflichtet, zwei große, in Chromringen eingefasste Rundinstrumente für Tempo und Drehzahl. Dazwischen liegt, als Zugeständnis an die Moderne, ein großes Display. Alles ist serienmäßig mit Leder gepolstert und mit Holz verziert, ganz wie es sich für ein klassisches Luxusauto gehört.

Die schöne Form und den luxuriösen sportiven Innenraum nehmen Betrachter und Nutzer direkt wahr. Die Technik darunter erschließt sich nur dem Connaisseur automobiler Finessen. Der XK hat eine komplett aus Leichtmetall bestehende Monocoque-Karosserie. Diese Chassisstruktur unterscheidet sich grundlegend von anderen Lösungen mit Aluminiumrahmen und daran befestigten Blechen. Statt zu schweißen werden die Verbindungsstellen genietet und verklebt, was Gewicht spart. So entstand eine extrem widerstandsfähige und gleichzeitig überaus leichte Struktur. Resultat des konsequenten Leichtbaus ist ein Leergewicht von 1.720 Kilogramm. Nicht schlecht für einen Sportwagen mit allem Komfort und großem V8-Motor.

Den Antrieb des XK übernimmt eine weiter entwickelte Version des bekannten 4,2-Liter-V8-Saugmotors mit 219 kW/298 PS Leistung. Die Höchstgeschwindigkeit des XK ist elektronisch auf 250 km/h begrenzt. Wenn man die Katze sprinten lässt, vergehen nur 6,2 Sekunden, bis die 100-km/h-Marke erreicht ist. Eine Abkehr von der Tradition begeht Jaguar beim Sechsgang-Getriebe. Statt der klassischen J-Kulisse hat die Führung des Automatikwahlhebels nun die Form eines L. Für das sportliche Fahrgefühl sorgen Schaltwippen am Lenkrad.
Beim Fahren lässt der XK die Wahl zwischen Luxus und Sport. Für beide Gangarten passt die aktive Federung aber auch die Motorleistung. Wer die Katze fordert, wird mit wohltönendem Sound verwöhnt, wer sie lieber streichelt, genießt limousinenartige Ruhe. Ein angenehmer Kompromiss. Mit einem Listenpreis von 81.500 Euro für das Coupé und 89.500 Euro für den Roadster mit Stoffverdeck ist der Jaguar im Wettbewerbsumfeld von Mercedes SL, Porsche 911 oder Maserati fast schon ein Schnäppchen, zumal er fast komplett ausgestattet ist inklusive Navigation und Bluetooth-Anschluss für Telefon.

Text: Günter Weigel

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