Buchtipp der Woche

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Dora Heldt: Ausgeliebt. Deutscher Taschenbuch Verlag; 12 Euro

Es gibt sie ja, die sprichwörtlichen Stehaufmännchen, die sich aus nichts wirklich etwas machen. Oder Stehauf-Frauen natürlich. Zu denen zählt die Verlagsvertreterin Christine sich selbst keineswegs: Als sie ihre Schwester besucht, erreicht sie ein Anruf des Gemahls. Der will nicht etwa wissen, ob sie gut angekommen ist oder gar alles in Ordnung bei ihr. Nein, er teilt ihr – telefonisch, bequem und feige – mit, dass er sich von ihr trennen wird. Und zwar so emotionslos, dass Christine gleich gar nicht mehr um ihn kämpfen will. Was sollte das, so denkt sie sich und sagt es auch ihrer Schwester, noch bringen, wenn der Noch-Ehemann sich schon so entschlossen anhört…

Christines Freundinnen sehen die Entwicklung gar nicht dramatisch. So richtig habe dieser Mann ja ohnehin nie zu ihr gepaßt, außerdem sei sie noch jung mit ihren 39 Jahren. Freundin Marleen formuliert's ganz drastisch: Schätzchen, in einem halben Jahr lachst du drüber!

Christine selbst sieht das zwar anders – immerhin gehört sie zu jener Zielgruppe, der die Kosmetikindustrie die teuren Produkte für die sogenannt reife Haut anbietet. Dennoch läßt sie sich von der Begeisterung ihrer Freundinnen anstecken. Die haben's zwar leicht – sie sind es ja nicht, die da nach zehn Jahren vors Ehe-Aus gestellt werden – aber Trübsal hilft ihr auch nicht weiter.

Nun geht es Schlag auf Schlag: Christine zieht vom Land zurück in die Stadt, und noch bevor sie sich allzu lange als fehlplatziertes Landei fühlen kann, findet sie sich schon wieder unter den Fittichen der Freundinnen. Und merkt Schritt für Schritt, dass die kleinen Bleigewichte, die bei allem Aktionismus ihre Seele doch stets ein wenig nach unten drücken, deutlich weniger werden. Als die Scheidung dann schließlich ausgesprochen wird, merkt Christine, dass Marleen wirklich recht gehabt hat. Zwar ist nicht alles am Singleleben eines inzwischen 40jährigen Singles eitel Sonnenschein, aber leben läßt es sich doch gut – so ohne einen Mann, von dem man über Jahre hinweg (und zwar fast ausschließlich morgens beim Frühstück) nur noch die körperliche Hülle gesehen hat.

Dora Heldt beeindruckt mit ehrlichem Humor. Ausgeliebt ist kein verlogenes Ach-aufs-Alter-kommts-doch-gar-nicht-an-Aufmunterungsbuch, sondern eine ehrliche Bilanz, gespickt mit jeder Menge trockener Weisheit. Und ein Buch nicht nur für Frauen (auch wenn, zumindest zahlenmäßig, die Männer hier in der Minderheit sind).

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