Test-Tour: Opel Vectra Caravan V6 3.0 CDTi

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Die Mittelklasse war schon immer die Domäne von Opel. Von den in diesem Segment jahrelang dominierenden Fahrzeugen Ascona und Vectra haben die Rüsselsheimer in gut 35 Jahren fast zehn Millionen Exemplare verkauft. Wir fuhren den neuen Vectra Caravan mit Dreiliter-Dieselmotor.

Keine Experimente hieß ein Wahlkampf-Motto der CDU aus dem Jahre 1957. Das verbale Relikt aus Adenauers Zeiten könnte auch stellvertretend für die Politik des Hauses Opel in punkto Kundenzufriedenheit stehen. Keine Ausreißer nach oben, stattdessen dort führend, wo sich das Ergebnis eher über Preis und Qualität als über Prestige festmachen lässt.

Und dennoch hat das Interesse an Opel-Produkten aus der einstmals führenden Alleinherrschaft Mittelklasse in den vergangenen Jahren nachgelassen. Zum einen verschlief die GM-Tochter frühzeitig die Entwicklung moderner Diesel-Motoren, was allerdings eher ein Versäumnis der US-Konzernmutter war. Und schließlich galten Opels – vor allen Dingen ein Kombi – zwar immer als praktisch und zuverlässig, aber auch nicht gerade als ein optischer Brüller.

Das hat sich beim neuen Vectra geändert. Schweinwerfer, Frontschürze und Chromspange lassen den langen Lulatsch Caravan (4,82 Meter) deutlich eleganter erscheinen. Dieser Auftritt, kombiniert mit der klassisch gestreckten Linie und einem eher unauffälligen Heck, schafft neue gedankliche Freiräume in Sachen Erscheinungsmerkmale, ohne zu provozieren. Im Interieur wurde ein wenig an den Armaturen modelliert, die Mittelkonsole aber wirkt immer noch recht klobig. So, als hätte die Gestaltungs-Abteilung des Hauses diese nach der Frühstückspause vergessen.

Besser wurde für den Caravan dagegen in unserem Fall die Antriebsfrage gelöst. Das drei Liter große Sechszylinder-Triebwerk von Isuzu leistet nunmehr 184 statt 177 PS, verfügt serienmäßig über Partikelfilter und erreicht somit Euro 4. Die Kraft steht dank 400 Newtonmeter früh zur Verfügung, der V6 unter der Haube arbeitet vehement, seidenweich und akustisch kaum wahrnehmbar. Die Konkurrenz hat jedoch bei Sechszylinder-Motoren mit drei Liter Hubraum auch schon Leistungsspitzen von bis zu 220 PS zu bieten.

Dennoch reichen eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h und 8,9 Sekunden für den Sprint von Null auf 100 wohl völlig aus. Immerhin gebärdet sich der Fronttriebler an der Zapfsäule nicht als Schluckspecht. 7,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer haben wir im zweiwöchigen Testzeitraum selbst errechnet.

Ein Kompliment verdient das Fahrwerk des Kombi-Vectra. Die Abstimmung von Federn und Dämpfern in Verbindung mit dem elektronischen Dämpfersystem und eine äußerst präzise Lenkung sorgen auch bei viel Mensch und Material an Bord für agilen Fahrspaß. Seine Stärken hat der Caravan, der einst der Begriff schlechthin für einen Kombi war, immer noch in seiner ureigensten Vielfalt. Und dies bedeutet: Variabel, großes Fassungsvermögen und durchdachtes Ein- und Ausladen.

Das Kofferraumvolumen liegt zwischen 530 und 1.850 Litern Stauraum und über die nur 61 cm hohe Ladekante ist der Ladevorgang kein Problem. Unser Testwagen in der Ausstattung Cosmos beinhaltet eine elektrische Heckklappe. Da sind schmutzige Finger kein Thema mehr.

In der Basisversion Edition kostet der Opel Vectra 3.0 CDTi Caravan 32.050 Euro. Unser Testwagen mit dem 2.645 Euro teuren Cosmo-Paket dementsprechend mehr. Dafür gibt es dann noch Bordcomputer, Navigationssystem, Nebelscheinwerfer, Sichtpaket, Alufelgen, elektrische Heckklappe und elektrische Sitze mit Memory-Funktion obendrauf.

Fazit: Der neue Opel Vectra Caravan unterstreicht die bekannten Stärken der Baureihe und wirkt mit dezenten optischen Modifikationen eleganter und ansprechender.

Text: Jürgen C. Braun

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