Erste Erfahrungen: Citroën C6

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Vom Savoir Vivre ist nicht viel übrig geblieben: Die französische Kochkunst muss gegen Fastfood ankämpfen und die Pariser Mode ist längst international geworden. Fahren wie Gott in Frankreich war zuletzt mangels Angebot kaum noch möglich. Der Renault Avantime geriet zu futuristisch und floppte, Vel Satis und der Peugeot 607 sind zwar konventioneller, dümpeln bei den Verkaufszahlen aber vor sich hin. Nun bringt Citroën mit dem C6 frischen Wind ins angestaubte französische automobile Portfolio.

Die Front des 4,91 m langen C6 wird von der breiten Kühlermaske bestimmt, deren Chromleisten das Emblem mit dem Doppelwinkel aufnehmen. Die großen Scheinwerfer reichen weit in die Kotflügel hinein. Die Seitenlinienführung spannt sich in einem schwungvollen Bogen und zeigt Anklänge an klassische Coupés. Am Heck dominieren die gebogenen Rückleuchten, die den Kofferraum auffällig abschließen.Das Interieur wirkt dezent und aufgeräumt: Mehr Designer-Wohnzimmer als Cockpit. Ein großes Kombiinstrument beinhaltet die wichtigsten Fahranzeigen wie den digitalen Tacho oder die gerade gewählte Fahrstufe. Die Mittelkonsole ist symmetrisch ausgelegt, so dass Fahrer und Beifahrer gleichermaßen die für ihren Komfort wichtigen Einstellungen für Audiosystem, Klimaanlage oder Navigation treffen können. Allerdings sollten die Finger nicht zu dick sein, denn die Knöpfe sind klein, zum Ausgleich dafür gibt es aber viele von ihnen. Zum Trost ist das Platzangebot auf allen Plätzen reichlich. Dafür sorgt schon der 2,90 m lange Radstand. Bequeme Sitze lassen auch längere Fahrten angenehm überstehen. Wer will, kann im Fond zwei Einzelsitze ordern.

Für das entspannte Vorwärtskommen stehen zwei Sechszylinder-Triebwerke zur Auswahl. Beim 3,0-Liter-V6-Benziner handelt es sich um eine Weiterentwicklung des bekannten Citroën-Aggregats. Für den C6 wurden die Leistung und der Drehmomentverlauf optimiert. Er bringt jetzt 155 kW/211 PS und ein Drehmoment von 290 Nm an die Vorderräder. (Spitze: 230 km/h, Verbrauch: 11,2 Liter). Den Hauptteil der Bestellungen wird allerdings der Dieselmotor auf sich vereinigen. Rund 80 Prozent aller Fahrzeuge sollen das Kürzel HDi aufweisen. Bei dem bekannten 3,0-Liter-Selbstzünder mit 150 kW/204 PS stehen 440 Nm bereits zum großen Teil im unteren Drehzahlbereich zur Verfügung. Bei ersten Ausfahrten rund um Paris gefiel das Aggregat neben seiner Durchzugskraft durch seine Laufruhe. Man braucht keine laute Musik, um irgendwelche Motorgeräusche zu übertönen. (Spitze: 230 km/h, Verbrauch: 8,7 Liter) Beide Triebwerke sind mit einer neuen Sechsgangautomatik gekoppelt. Dazu gibt es eine neue hydropneumatische Federung mit elektronisch geregelter Feder- und Dämpferrate. Sie zeichnet sich durch technische Raffinesse aus. Denn sie ist jetzt mit einer neuen Dämpferregelung gekoppelt, die aus 16 Kennlinien automatisch die passende, komfort- oder dynamikbetonte Abstimmung wählt. Der C6 bleibt allerdings ein Auto zum Genießen und Dahingleiten, eilige Kurvenhatzen sind nicht sein Ding, dafür ist die Lenkung zu weich.

Beim Thema Sicherheit punktet der C6 mit ESP, neun Airbags und einer Motorhaube, die sich beim Unfall leicht anhebt und so ein Teil der Aufprallenergie absorbiert. Das kommt besonders dem Fußgängerschutz zu gute. Klassenübliche Komfortfeatures wie eine Mehrzonenklimaanlage, elektrisch verstellbare Vordersitze oder Bi-Xenonscheinwerfer gehören bereits in der Basisversion dazu. In den höheren Ausstattungsvarianten ergänzen mitlenkende Scheinwerfer, ein Head-Up-Display und der AFIL-Spurassistent, automatisch abblendende Außen- und Innenspiegel, Ledersitze und Echtholzdekor den Wohlfühlcharakter. Ab Februar 2006 tritt der C6 in Deutschland gegen Audi A6, 5er BMW und Mercedes E-Klasse an. Bei Preisen ab 42.500 Euro hat der Wagen gute Chancen mehr als nur einen Achtungserfolg gegen die etablierte Konkurrenz einzufahren. In Frankreich freut sich schon mal der Staatspräsident über sein neues Dienstfahrzeug.

(Text: Elfriede Munsch)

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