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Ein BMW in der Golf-Klasse, das gab es noch nie. Der 3er compakt war zwar kurz, aber nie ein ernsthafter Konkurrent für den Golf. Das ist zwar auch der 1er nicht, aber er passt formal in den Rahmen, der vom Golf zumindest den Abmessungen und dem Grunddesign her vorgegeben wird. In einem allerdings fällt der kleine BMW völlig aus dem Rahmen. Während alle anderen in der Kompaktklasse auf den raumsparenden Frontantrieb setzen, wird der 1er nach alter BMW-Tradition über die Hinterräder angetrieben. Für einen ausführlichen Alltagstests dieser Kombination haben wir uns den BMW 120i vorgenommen. Der Vierzylinder ist noch der stärkste Benziner im 1er. Wie vor rund dreißig Jahren, kombiniert BMW zwei Liter Hubraum wieder mit vier Zylindern. Den neuen Reihensechser gibt es nur mit mindestens 2,5 Litern Hubraum und derzeit noch nicht im 1er. Der Vierzylinder macht seine Sache gut. Er dreht weich und gleichmäßig hoch. Eine Ausgleichswelle verhindert Dröhnfrequenzen. Natürlich hat er nicht den Drehmomentbums, wie in moderne Diesel bieten. Dafür gibt es aber auch kein Turboloch und das Arbeitsgeräusch erinnert, wenn es denn überhaupt wahrgenommen wird, eher an einen Sechszylinder. Die 150 Pferdchen, die der Motor freisetzt, machen den 120i zum agilen Spaß-auto. In Kombination mit dem leicht und exakt schaltbaren Sechsganggetriebe und der nicht minder exakten Lenkung ergibt sich ein Fahrverhalten, das es so in der Kompaktklasse sonst nicht gibt. Vor allem auf Landstraßen kann der kleine BMW sein Talent für Kurven aller Art ausleben. Auf der Autobahn ist er ein schneller Reisewagen, dem es nur ein bisschen an Langsamfahrkomfort gebricht. Die Federung ist eben sehr sportlich ausgelegt und teilt dem Fahrerhintern die Befindlichkeit des Asphalts recht genau mit. Minuspunkte gibt es auch beim Platzangebot. Die Heckantriebsvariante sorgt zwar für eine Lenkung frei von Antriebseinflüssen und ein tolles Fahrgefühl, sie braucht aber einfach viel Platz. Hinten reicht der Raum deshalb nur für kleine Menschen. Aber das ist man aus früheren BMW-Zeiten ja so gewohnt. Auch die Preispolitik ist typisch BMW. Für 23.700 Euro bekommt man ein ziemlich nacktes Auto, das dann mit allerlei Paketen oder Einzelextras aufgepeppt und individualisiert werden kann. Die 30.000 _-Marke ist schnell geknackt, wenn man anfängt, den Versuchungen des Prospekts nachzugeben. Auf der anderen Seite ist der 120i ein sparsames Auto. Trotz flotter Fahrt kamen wir im Schnitt mit 8,4 Litern Super je 100 km aus. Maximal flossen 11 Liter durch die Einspritzdüsen, minimal war ein sechs vor dem Komma. Da lohnt sich der teure Diesel nicht wirklich. Plus und Minus: Agiler Kompaktwagen, sparsamer, kultivierter Motor, wenig Platz, lange Aufpreisliste.

Text: Günter Weigel

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