Fiat 500e: Knutschkugel unter Strom

Der Fiat 500 ist schon jetzt eine fahrende Legende. Die natürlich weiterhin im Modellprogramm geführt wird, allerdings nur noch mit reinem Elektroantrieb zu haben ist. Zur Wahl stehen künftig zwei Batterien, eine mit 24 kWh brutto), eine weitere mit 42 kw/h.

Die Handhabung der „Knutschkugel unter Strom“ wird durch zahlreiche digitale Angebote erleichtert.  So kann man mit der easy Charge App (erhältlich bei Google play oder im Apple App Store) Ladestationen finden.

„My easy Wallbox“ ist eine Bluetooth-basierte Bedienungs-App für die easyWallbox, mit der man  die Aufladung beginnen oder verschieben kann. Man kann aber auch die Auflade-Historie einsehen und die easyWallbox konfigurieren. Und die eProWallbox, eine flexible und vernetzte Allzweck-Ladestation ermöglicht es, alle Vorteile der E-Mobilität und des „nuovo Cinquecento“ zu nutzen.

Nach der WLTP-Norm schafft der Fiat 500 e 320 Kilometer. Unser Testfahrzeug zeigte im komplett aufgeladenen Zustand eine Reichweite von 280 Kilometern an. Für ein Fahrzeug, mit dem man nicht gerade in dessen Heimatland in den Urlaub fahren möchte, ist das eine ganze Menge. Oder genauer ausgedrückt: Der Höchstwert in diesem Segment. Natürlich gilt auch hier: Diese Zahl ist relativ, wer das Gaspedal permanent bis ins Bodenblech durchdrückt, wird nicht lange Spaß haben mit diesem italienischen Charmebolzen und auch nicht sonderlich weit kommen. Wer ihn also als City-Flitzer nutzt, wird wohl bei zurückhaltendem Umgang mit allen Stromfressern auf einen Wert kommen, der dieser Angabe recht nahe kommt.

Bedeutet also: Alles, was Strom frisst, sollte man tunlichst meiden. Das Aufladen von Null auf 80 Prozent gibt Fiat mit 35 Minuten an. Je voller der Akku also bereits ist, um so geringerer die Ladeleistung. Pro Minute, so haben die Experten von insideevs.de errechnet, erhält man beim Nachladen neun Kilometer. Wer also aus seinem 500e nicht nur ein Vielfahrer-, sondern auch ein Weitfahrer-Auto machen möchte, der sollte sich damit und mit den via App zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erst einmal auseinandersetzen, bevor er den Startknopf drückt.

Bei all den Neuerungen bleibt die Frage: Wieviel vom früheren Fiat 500, von der bella macchina mit der langen Geschichte, ist denn in der Neuauflage noch zu finden? Traditionalisten muss es nicht bange werden: Der 500e wurde zwar völlig neu entwickelt, steht auf einer eigenen Plattform, ist nach allen Seiten gewachsen, unter anderem gut sechs Zentimeter länger als der Verbrenner-500. Aber: Es ist, rein optisch, bereits klar erkennbar ein Fiat 500. Ein ideales Stadtauto, das auch mit den neuen Abmessungen in Parklücken passt, vor denen andere Autos kapitulieren.

Innenraum und Cockpit sind modern gehalten. Das beginnt mit einer Taste in der Mulde des Türgriffs, mit der man die Tür elektrisch öffnet. Sowohl von außen wie auch von innen. Hebel war einmal. In der Türverkleidung erkennt man als liebevolles Detail die Silhouette des 500 als frühen Urahn, unterlegt mit dem Hinweis „Made in Torino.“ Der bis zu 10,25-Zoll-Touchscreen des neuen “UConnect”-Bediensystems erfordert zunächst einmal sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit, um sich mit allen Optionen auseinanderzusetzen. Ein paar Knöpfe, etwa für die Bedienung der Heizung, sind dennoch übrig geblieben. Erstaunlich gut sind die Platzverhältnisse im Innenraum, der durch hochwertige Materialien den Ruf des Fiat 500 als Charmeur auf Rädern untermauert.  Mit 170 Litern beschränkt sich der Kofferraum auf ein Mindestmaß, zumal ja auch noch Kabel für Ladestation und Zuhause verstaut werden müssen. Bei umgeklappter Rückbank sind es immerhin noch 460. Das ist in Ordnung, ein Kleinwagen muss schließlich kein Kombi sein.

Das Fahren mit dem kleinen Flitzer (erprobt mit der größeren Batterie!) macht richtig Laune. Die Automatik wird über Tasten im Cockpit bedient. Das Drehmoment steht, wie bei „Stromern“ üblich, sofort voll zur Verfügung, so surrt der kleine Italiener aus dem Stand heraus direkt munter los. Da ist es eine Freude, sich lautlos und flott durch den Verkehr zu schlängeln, und ab und zu auch mal den Blinker zu setzen und vorbei zu fahren. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht holprig. Die Lenkung könnte für unseren Geschmack teilweise etwas mehr Konsistenz in der Rückmeldung haben. Auf 100 km/h ist man aus dem Stand nach 9,0 Sekunden und die 150 km/h Spitze mit dem 118 PS starken 500e reichen auch für muntere Ausflugsfahrten in die Peripherie.  

Der Preis für die 42-kWh-Version beträgt als Limousine 27.560 Euro. Bedeutet nach Abzug aller staatlichen und Hersteller-Vergünstigungen also rund 18.500 Euro. Zudem gibt es noch eine Faltdach-Version und die „3+1“-Variante mit einer Zusatztür auf der Beifahrer-Seite Für sie muss man 2000 Euro Aufpreis veranschlagen.

Fotos: Fiat

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