Berlin: 25 Jahre Buslinie „100“

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In Berlin gibt es weltweit vermutlich die preisgünstigste Busfahrt durch die Geschichte der Stadt mit einer öffentlichen Buslinie (ÖPNV). Am 26. November 1990 starteten die ersten Omnibusse der BVG (West) und der damaligen BVB (Ost) auf der neu eingerichteten Linie „100“. Seitdem verbindet sie den Zoologischen Garten im Westen mit dem Alexanderplatz im Osten und fährt vorbei an Berliner Wahrzeichen wie der Gedächtniskirche, dem Reichstag oder dem Brandenburger Tor. Die Fahrt führt aber auch über den berühmten Prachtboulevard „Unter den Linden“, vorbei an der Lindenoper (Staatsoper Unter den Linden), der Museumsinsel und dem Zeughaus. Im vergangenen Vierteljahrhundert fuhren mittlerweile Millionen Menschen mit dieser Star-Linie. Jetzt konnten auf der legendären Strecke Berliner und ihre Gäste in historischen Bussen in nostalgischen Erinnerungen schwelgen.

Denn zum 25-jährigen Jubiläum der Linie 100 lud die AG Traditionsbus zu einer Fahrt ein. Aus diesem Anlass rollten Fahrzeuge, die im vergangenen Vierteljahrhundert zum Fuhrpark gehörten. Sie verkehrten zusätzlich zum regulären Fahrplan-Angebot.

Der 100er-Bus ist bei Touristen beliebt, weil er zum Preis eines Einzelfahrscheins eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten ansteuert. Dabei kann man die Stadtrundfahrt nach Belieben an den rund 20 Stationen unterbrechen. Wer an einer Haltestelle ausgestiegen ist, kann zu einem späteren Zeitpunkt in einen anderen Bus wieder einsteigen und die Fahrt fortsetzen. br>
Diese Buslinie wurde nach der Wiedervereinigung als erste West-Ost-Linie geschaffen. Da sie einmal durch die Zentren des alten West- und Ost-Berlins führt, kann man auf dieser Tour ganz bequem die wichtigsten Wahrzeichen der Stadt sehen oder auch besichtigen. Vielleicht so: Start ist direkt am Bahnhof Zoologischer Garten, die Strecke führt entlang des Breitscheidplatzes in Richtung Tiergarten. Hier kann man die Ruine der Kaiser-Wilhem-Gedächtniskirche sehen. Hoch über dem Breitscheidplatz erhebt sich das neue Hotel Waldorf Astoria. Der 100er-Bus verlässt den Stadtteil Charlottenburg und erreicht den Alt-Bezirk Tiergarten mit dem großen Park. br>
Der Bus nähert sich nun Mitte – am Platz der Republik erblickt der Tourist das Kanzleramt, das Regierungsviertel und den Reichstag. Nicht weit davon entfernt steht das eigentliche Wahrzeichen der Stadt – das Brandenburger Tor. Da der Bus hier nicht direkt durchfahren kann, fährt er nach einem kleinen Schlenker weiter auf der Straße „Unter den Linden“.

Auf der rechten Seite steht die Russische Botschaft, weiter geht es über die Friedrichstraße Richtung Mitte. Linkerhand sieht man das Hauptgebäude der Humboldt-Universität mit den Statuen von Alexander und Wilhelm von Humboldt davor, direkt gegenüber befindet sich der Bebelplatz mit dem Hôtel de Rome, der Hedwigskathedrale und der Staatsoper. Linkerhand das Deutsche Historische Museum im Zeughaus, am Lustgarten dann der Berliner Dom.

Hinter dem Schlossplatz erstreckt sich der Alexanderplatz mit seinem Wahrzeichen, dem Fernsehturm (368 m hoch). Dort endet die Linie des 100er-Busses, am U- und S-Bahnhof Alexanderplatz. Knapp eine halbe Stunde braucht der Bus für diese Tour.

Aber am vergangenen Wochenende erinnerte die AG Traditionsbus auch an die Premiere des Bustyps Büssing DE 65, der Jahrzehnte das Stadtbild Westberlins bestimmte. DE steht für „Doppeldecker im Einmannbetrieb“. Bis dato kassierten die Schaffner das Fahrgeld: Mit dem DE 65 übernahm erstmals der Fahrer diese Aufgabe. Vor exakt 50 Jahren startete der erste Bus dieses Typs zu seiner Jungfernfahrt auf der damaligen Ausflugslinie vom Zoo zum Grunewaldturm. Nun gab es eine Wiederholung dieser Premierenfahrt. Das Vergnügen à la 1965 kostete 3,90 Euro.

Text und Fotos: Erwin Halentz

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