Postkahn: Saison-Ende für „Briefe zu Wasser“

Beitragsbild
Foto 1
Foto 2

Andrea Bunar hat ihre erste Saison als Postkahnfrau im brandenburgischen Spreewald hinter sich. Die 41-Jährige meisterte ihre Aufgabe mit Bravour, obwohl an vielen Tagen das Wetter nicht mitspielte und sie durch knöcheltiefes Geläuf ihre Postsendungen austragen musste. Dennoch: geschafft ist geschafft und das als Einzige in diesem Metier in Deutschland. Um die 1.100 Kilometer legte sie mit ihrem Kahn per Muskelkraft zwischen April und Anfang Oktober zurück, um Briefe und Pakete von Lübbenau zum benachbarten Ortsteil Lehde auszuteilen. Bunar schob ihren Kahn aus Aluminium per Hand mit einer Schubstange (Rudel) über das Wasser. Das urige Gefährt misst neun Meter, die Holzstange vier Meter. Im Spreewald sind motorbetriebene Kähne nicht zugelassen.

Über 600 Briefe und Karten sowie rund 30 Pakete brachte Bunar wöchentlich an 65 Haushalte im Spreewald per Kahn an den Mann. Die sympathische Postlerin benötigte für die Wasserstrecke rund zwei Stunden. Anschließend legte sie mit dem Postauto noch einmal acht Kilometer zurück und teilte im nahen Lübbenau Postsachen aus. Zudem leistete die Kahnzustellerin den Service einer kleinen Filiale. Kunden in Lübbenau-Lehde konnten bei ihr auch Sendungen abgeben und Briefmarken kaufen. Ferner leerte sie die drei Postbriefkästen an Ausflugsgaststätten bei ihren täglichen Touren.

Bunar ist neben ihrem Postjob eine kleine Touristenattraktion. Viele Besucher der Spreearme kennen sie aus Funk und Fernsehen, sprechen sie während ihrer Arbeit an und bitten oft um ein Autogramm. Die 41-Jährige meisterte auch diesen Part souverän. Außerdem verbesserte sie ihre Qualitäten im Kahnfahren, von ihren Kollegen wird sie schon als erfahrene Fahrfrau anerkannt.

Der Postkahn ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein einmaliges Postbeförderungsmittel der Deutschen Post in der Spreewaldgemeinde Lehde. Die Briefzustellung erfolgt dort von Frühjahr bis Herbst per Boot. In den Wintermonaten gibt es die Zustellung an Briefkästen, die die Anwohner an der Landseite aufstellen, per Postfahrrad oder Auto.

Bunar trat die Nachfolge von Jutta Pudenz an, die mit dem Postkahn 21 Jahre lang auf den Spreearmen um Lübbenau unterwegs war. Die 59-Jährige hatte vor Jahresfrist ihre letzte Fahrt absolviert. Im Winter sattelt Bunar auf einen Kleintransporter um oder trägt die Sendungen zu Fuß über Brücken sowie zugefrorene Fließe aus. Aber irgendwann kommt der Frühling und der Postkahn, der in der Pause generalüberholt wird, gleitet dann mit Andrea Bunar wieder übers Spreewaldwasser.

Text: Erwin Halentz
Fotos: Deutsche Post

Nach oben scrollen