Test-Tour: Infiniti QX56

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Andere Länder, andere Sitten: Während Infiniti bei uns gerade auf Kuschelkurs geht, mit dem neuen Kooperationspartner Mercedes über kleinere Autos verhandelt und jetzt im Geländewagen FX den ersten Diesel bringt, drehen die Japaner in Amerika wieder richtig auf: Die Benzinpreise stabilisiert, die Krise fast schon wieder vergessen, sind große Geländewagen dort plötzlich wieder gefragt – und genau zur rechten Zeit rollt der noble Nissan-Ableger die zweite Generation des QX56 in den Handel. Ohne Rücksicht auf enge Altstadtgassen oder schmale Landstraßen entwickelt und für ein Land gezeichnet, in dem Autos gar nicht genug auffallen können, gibt es mit einer merkwürdig geschwollenen Front, einem verspielten Heck und jeder Menge Glanz und Gloria den Titan im Smoking.

5,3 Meter lang, 2,7 Tonnen schwer und von einem 5,6 Liter großen Achtzylinder angetrieben, mag das Auto für europäische Maßstäbe alle gängigen Dimensionen sprengen. Doch in Manhattan wie in Massachusetts fühlt man sich darin ausgesprochen gut aufgehoben. Weich gebettet in einem von sieben dicken Ledersessel gefühlte drei Meter über dem Boden steht man buchstäblich über den Dingen und verliert deshalb auch im dichtesten Gewühl nie den Überblick. Wie ein Elefant im Streichelzoo wirkt man plötzlich schier unverwundbar, wenn ein paar Kleinwagen um einen herum flitzen. Und es dauert keine fünf Meilen, schon ist man so tief in die wohlige Welt aus Lack und Leder hinabgesunken, dass der Alltag immer weiter an die Wahrnehmungsgrenze rückt. Dabei helfen eine Klimaanlage, deren Leistung auch für wahlweise ein Kühlhaus oder eine Sauna genügen würde, eine Musikanlage mit genügend Schalldruck für eine Discoparty und eine halbe Hundertschaft von Elektromotoren, die dem Fahrer auch den allerletzten Handgriff abnehmen. Nur Einsteigen und lenken muss er noch selbst.

Unter der Haube steckt der im Frühjahr mit der M-Serie neu eingeführte V8-Direkteinspritzer, der selbst mit dem Dickschiff leichtes Spiel hat. 294 kW/400 PS, und mehr noch sein maximales Drehmoment von 560 Nm sind eine Bank, auf die man sich in jeder Situation verlassen kann. Im Zusammenspiel mit der prima abgestimmten Siebengang-Automatik ist der Achtzylinder wie ein Orchester für alle Tonlagen: Bei gemächlicher Gangart gibt es den völlig unauffälligen, stets kultivierten Powercruiser, der sich auf dem Highway von nichts und niemand aus der Ruhe bringen lässt. Aber wehe, man tritt zu fest auf das Gaspedal. Dann hört man zwar den Sprit durch die Zylinder rauschen wie das Wasser durch die Niagarafälle. Doch dafür straft der V8 dann die Physiker Lügen. Als hätte es nie das Gesetz von der Trägheit der Masse gegeben, wuchtet das Kraftwerk den Koloss nach vorn und schafft den Sprint auf Tempo 100 so in eindrucksvollen 7,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird in Amerika zwar nicht offiziell angegeben, dürfte aber locker bei mehr als 200 km/h liegen – wenn die Reifen das mitmachen.

Selbst bei einer forcierten Ausfahrt macht der QX56 damit keine schlechte Figur. Statt butterweich und sänftengleich, rollt der Riese überraschend stramm durch die Straßen von New York, ohne dass einem trotzdem jedes Schlagloch in schmerzhafter Erinnerung bleibt. Die Lenkung ist präziser als erwartet, und der Aufbau wird geschickt stabilisiert. Nur eine variable Dämpferregelung könnte vielleicht helfen, den Spagat zwischen Komfort und Kontrolle noch etwas weiter zu spreizen.

Offiziell will Infiniti den QX56 in Europa gar nicht anbieten. Doch die Grauimporteure reiben sich bereits die Hände. Bei einem US-Preis ab 56.700 Dollar (ca. 43.000 Euro) können sie den Wagen problemlos ins Land holen, ihre übliche Gewinnmarge aufschlagen und noch immer weit unter einem Mercedes GL oder einem Range Rover bleiben. Für die paar wenigen Kunden, die sich bei uns für so einen Giganten interessieren, wird der Titan im Smoking dann sogar zum Luxus-Schnäppchen.

Text: Spot Press Services/
Fotos: Infiniti/SPS

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