Foto 1
Foto 2
Foto 3

Die Sportwagenmanufaktur Lotus hat Höhen und Tiefen hinter sich. Mittlerweile ist die Tochter des malaysischen Proton-Konzerns wieder hervorragend aufgestellt. Wir fuhren mit dem 206 kW/280 PS starken Evora das Spitzenmodell der Marke – das noch dieses Jahr zwei zusätzliche Varianten zur Seite gestellt bekommt.

Der Evora kostet 59.990 Euro und orientiert sich damit preislich an erfolgreichen Konkurrenten wie Porsche Cayman und Audi TT RS. Für Lotus bedeutet der entweder als Zwei- oder als 2+2-Sitzer erhältliche Sportwagen eine Wiederbesetzung der Markenpositionierung aus den späten siebziger und der achziger Jahren. Denn ursprünglich stand die Manufaktur für spartanische, aber genial konstruierte Sportwagen wie den Super Seven oder den Elan, die sich über konsequenten Leichtbau vom Wettbewerb absetzten. Mit diesem Ansatz feierte Lotus auch in der Formel 1 große Erfolge. Nicht der Motor, sondern das Fahrwerk war für Firmengründer Colin Chapman entscheidend für den Erfolg des Gesamtkonzepts.

Mit dem Evora will Lotus nun wieder nach oben – und dokumentiert das nicht zuletzt mit einem in der Wagenmitte angeordneten 3.5-Liter-V6-Motor, der 206 kW/280 PS leistet und den Spurt von 0 auf 100 km/h in 5,1 Sekunden ermöglicht. Die Spitze liegt bei 261 km/h. Diese Leistung wird nicht etwa nervös und aggressiv inszeniert, sondern der (von Toyota zugekaufte) Motor schüttelt sie gelassen und mit einer gewissen Selbstverständlichkeit aus dem Zylinder. Ansaug-, Verbrennungs- und Auspuffgeräusch treten dabei untypisch für Lotus in den Hintergrund; ein bisschen mehr Emotion hätte es schon sein dürfen.

Text und Fotos: Spot Press Services/jm Dafür wird das Handling dem Ruf der Marke gerecht. Das Fahrwerk ist perfekt ausbalanciert, das Stabilitätsprogramm ESP lässt sich konsequenterweise komplett abschalten. Das Sechsgang-Schaltgetriebe arbeitet leichtgängig, der oberste Gang ist allerdings so lang ausgelegt, dass er auf Landstraßen kaum zu gebrauchen ist. Fahrer mit langen Beinen haben zudem Probleme, den Kupplungsfuß vernünftig abzustellen. Wir haben ihn meistens unter dem Kupplungspedal geparkt. Abgesehen davon ist das Fahrerumfeld geräumig – und erstaunlich komfortabel ausgestattet. Man sollte sich allerdings gut überlegen, ob man den in der Grundausstattung als Zweisitzer zugelassenen Evora mit angedeuteten Rücksitzen für stolze 3.510 Euro zum 2+2-Sitzer aufwertet. Hinter den Vordersitzen können allenfalls Kinder Platz finden, und auch diesen wird angesichts der Platzverhältnisse eine gewisse Genügsamkeit abverlangt. Nach fast 20 Jahren – 1992 hatte Lotus den vom Eclat abgeleiteten 2+2-Sitzer Excel eingestellt – bieten die Briten nun erstmals wieder einen Reise-Sportwagen. Zu dieser Positionierung passt die Sechsgang-Wandlerautomatik, die das Modellprogramm noch dieses Jahr ergänzen wird. Außerdem kündigt Lotus eine per Kompressor aufgeladene Variante an. Sie soll rund 257 kW/350 PS leisten – und wildert damit bereits im Revier des Porsche 911. SP-X/mk

Scroll to Top