Test-Tour: Ford Focus CC 2.0 Diesel

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Lange hatten sie sich Zeit gelassen damit, dafür ist das Ergebnis umso beeindruckender. Als letzter deutscher Hersteller kam Ford Ende des vergangenen Jahres mit einem Klappdach-Cabrio auf den Markt. Drei Benzin- und ein Dieselmotor stehen für den Focus CC zur Auswahl. Wir fuhren den zwei Liter großen Selbstzünder CDTi mit 136 PS.

Cabrios verkaufen sich in erster Linie über den Bauch und nicht über den Kopf. Die alte Weisheit, wonach emotionale Empfindungen beim Kauf eines Frischluftfahrzeugs stärker in die Kaufentscheidung mit einfließen als bei einem Nutzfahrzeug, kann sich im Falle des Klappdach-Ford eigentlich nur positiv auswirken. Für ein stimmiges und elegantes, aber nicht extravagantes Blechkleid des Focus CC birgt schon der etwas oberhalb der Radkästen angebrachte Schriftzug Pininfarina.

Der Allwetter-Focus steht in der direkten Erbfolge des Escort Cabrio und ruht auf der Unterbodenkonstruktion der viertürigen Focus-Limousine. Die Zusammenarbeit mit Pininfarina beschränkte sich zunächst auf die Entwicklung eines Coupés. Danach erst machten sich die Ingenieure daran, dessen Dach zu falten, wobei sie anders vorgingen als die Konzerntochter Volvo beim C70.

Die lediglich zweiteilige Klappdachkonstruktion hat Vor- und Nachteile. Da die zu verstauenden Einzelteile größer ausfallen, wirkt auch das Heck etwas voluminöser proportioniert. Um es nicht ganz so geschwollen auszudrücken: Der eine oder andere Zeitgenosse ist der Ansicht, das Fahrzeug habe einen etwas dicken Hintern. Was allerdings auch wieder unbestrittene Vorteile hat: Mit 534 Liter Laderaum weist der Focus CC im geschlossenen Zustand acht Liter mehr Stauraum auf als die Limousine. Damit liegt man erheblich über den Werten der deutschen Konkurrenz aus Wolfsburg und Rüsselsheim. Was übrigens auch für die Werte mit eingepacktem Dach gilt: Auch in diesem Fall bleiben noch recht üppige 248 Liter übrig. 40 mehr als bei Astra Twin Top und Eos.

Der Rahmen der Frontscheibe ragt anders als bei einem Stoffdach-Cabrio noch erheblich in Richtung Wagenmitte heraus. Beim offenen Fahren ergibt sich der subjektive Eindruck, dass die längere Windschutz-Scheibe Verwirbelungen vorbeugt. Obwohl nur zwei Teile bewegt werden müssen und sich damit keine extremen Verschachtelungen ergeben, arbeiten fünf Hydraulikzylinder, drei Elektromotoren und elf Sensoren beim Mechanismus des Öffnens und Schließens miteinander. Dies geht mittels Bedienungstaste im Armaturenbrett innerhalb einer halben Minute. Eines nervt allerdings ziemlich beim Fahren ohne Dach: Das ewige Flattern der Gurte im Fond.

Der Innenraum spiegelt gediegene Wohlfühl-Atmosphäre mit hochwertigen und gut verarbeiteten Materialien wider. Auch wenn Ford den Klappdach-Focus als Viersitzer bezeichnet, kann er seine Coupé-Wurzeln nicht verbergen. Was auch dazu führt, dass Mitreisende auf den hinteren Plätzen nicht unbedingt für einen längeren Zeitraum kommod untergebracht sind. Das Auto geht eher als 2+2-Sitzer mit Kindersitzen und jede Menge Ablageplatz für Taschen durch.

Der Focus CC liegt auch in flott gefahrenen Kehren straff wie ein Brett auf der Piste, leichte Untersteuerungstendenzen eingeschlossen. Die direkte Lenkung bietet dem Fahrer eine gute Rückmeldung. Kurz gesagt: Das Auto mit dem eher als gutmütig zu bezeichnenden Fahrwerk macht Spaß beim Fahren und entpuppt sich nicht als wildes Überraschungspaket.

Der 136 PS starke Diesel verrichtet seine Arbeit kraftvoll über ein breites Drehmomentband und tut dies zudem ohne störende Selbstzünder-Untermalung. Mit einer Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 10,3 Sekunden liegt der Diesel gleichauf mit dem Zweiliter-Benziner. Als Höchstgeschwindigkeit gibt der Hersteller 205 km/h an. Zum entspannten Cruisen allerdings taugt der offene Ford viel mehr. Im Fahrberichtszeitraum genehmigte sich die mit Partikelfilter ausgerüstete Maschine im von uns errechneten Durchschnitt 6,2 Liter auf 100 Kilometer. In der recht üppigen Ausstattung Titanium kostet der Ford Focus CC mit dem 2.0 TDCi Motor 30.275 Euro.

Text: Jürgen C. Braun