Erste Erfahrungen: Porsche Carrera 4 und 4S

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Auch ein schöner Rücken kann entzücken: Wer auf Kurven steht, wird vom neuen Porsche Carrera 4 gleich doppelt erfreut. Zum einen bietet Porsches jüngstes Elfer-Derivat ein üppig ausgeformtes Hinterteil, zum anderen erfreut der Carrera 4, dank Allradantrieb und breiterer Spur, durch eine nochmals verbesserte Agilität in Kurven aller Art. Die nunmehr vierte Generation eines allradgetriebenen 911, Kurvenkünstler aus Zuffenhausen, ist ab 22. Oktober 2005 zu Preisen ab 82.657 Euro im Handel. Der 4S kostet 92.865 Euro. Zeitgleich erscheint auch eine Cabriovariante mit Allradantrieb.

Der erste Carrera 4 kam 1988 unter dem Werkscode 964 auf den Markt. Anfangs gab es dieses Modell ausschließlich mit Allradantrieb. Allerdings verwässerte der zusätzliche Antrieb an der Vorderachse das Fahrverhalten. Nur neutral oder untersteuernd ums Eck wollten die Drift gewöhnten Porsche-Kunden nicht fahren. Es dauerte bis zum Carrera der Modellreihe 996, bis die Porsche-Techniker die Feinheiten der Allradabstimmung den Bedürfnissen ihrer Klientel angepasst hatten.

Der neue Carrera 4 der Baureihe 997 entpuppt sich nun als sehr agile Fahrmaschine, die, wie Porsche-Edel-Abstimmer Walter Röhrl befindet, erstmals auch auf trockener Strecke schneller ist als der normale Elfer. Die Motorleistung des Allradlers entspricht der des HInterachs angetriebenen. 325 PS/239 kW sind es beim Carrera 4, der 4S hat 355 PS/261 kW. Die reine Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn ist beim Carrera 4, der etwas schlechteren Aerodynamik wegen, geringer als beim normalen 911. Spitzentempi von 280 km/h oder 288 km/h (4S) spielen beim Fahrspaß jedoch eine untergeordnete Rolle. Den Sprint von Null auf 100 absolviert der 4S in 4,8 Sekunden nur einen Wimpernschlag schneller. Dafür verbraucht er mit 11,8 Litern einen halben Liter mehr als die Basis. Bei artgerechter Haltung auf abgesperrter Strecke ist es natürlich mehr. In der ureigenen Sportwagendisziplin des schnellen Kurvenfahrens bietet der Carrera 4 ein Maß an Agilität und Sicherheit, die derzeit kaum zu toppen sein dürfte. Auf der legendären Rallye Monte Carlo-Strecke zum Col de Turini hinauf, ist der Carrera 4 in seinem Element und erinnert den heutigen Fahrer nachhaltig an vergangene Rallye-Erfolge von Porsche-Sportwagen. Die teure S-Variante kann man sich übrigens sparen. Schon der normale Carrera 4 bietet alles an Fahrspaß, was man braucht. Investiert man noch 1.500 Euro zusätzlich in das verbesserte, aktive Porsche Fahrwerkssystem PASM ist man nahezu auf dem Niveau des teuren S. Das Sportchrono-Paket ermöglicht im S darüber hinaus Fahrwerkseinstellungen für die Rennstrecke, die im normalen Leben aber viel zu hart sind.

In der Konstruktion gibt es außer der Kraftverteilung an die Vorderachse weitere Unterschiede zwischen Allrad und Normal-911. So sitzt die Schottwand etwas weiter vorne, um die zusätzliche Technik aufzunehmen. Der neu geformte Tank fasst drei Liter mehr. Der Hintern ist um 4,4 cm breiter. Gegenüber dem Vorgänger-Modell spricht Porsche trotz gestiegener Preise von einem ausstattungsbereinigten Kundenvorteil durch mehr Sicherheit, größere Räder (19 Zoll beim 4S) und mehr Serienausstattung.

(Text: Günter Weigel)

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