Tops und Flops: Das war das Autojahr 2004

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Man hat sich schon dran gewöhnt: auch dieses Autojahr ist, was die Verkäufe angeht, wieder ein Schlechtes. Dabei sollte alles gut werden. Die Bestseller VW Golf und Opel Astra sollten mit großen Stückzahlen den Gesamtmarkt mitziehen: Stattdessen das gleiche düstere Bild wie seit drei Jahren. Fast alles rückläufig. Und wie gehabt liegt es zwar auch an den Preisen der Autos, die einfach relativ teuer scheinen, aber eben nicht nur, denn BMW und Porsche, nicht eben für Aldi-Preise bekannte Hersteller, legen teils kräftig zu, während Opel, VW und sogar die erfolgsverwöhnten Franzosen Federn lassen.

Wie nahe Tops und Flops bei einander liegen, musste Opel erfahren. Der Astra wird allseits als besonders gelungenes Kompaktauto gelobt, gewinnt Vergleichstests in der Fachpresse und hat das Zeug die angeschlagene Marke aus der Absatzkrise zu führen. Gleichzeit beschließt GM ein Riesensparpaket, stellt Standorte in Frage und stülpt der Marke und den Produkten damit nachhaltig ein Verlierer-Image auf. So wird das Licht am Ende des Tunnels für Opel immer kleiner, auch wenn die Technik zurzeit stimmt. Der letzte Sparkurs unter Hughes und Lopes hatte schließlich die Marke erst in das Qualitäts- und Image-Desaster geführt, jetzt droht die nächste Welle. Das ist die perfekte Welle, können sie bei Toyota mitsingen. Der Prius wurde mit seinem Hybrid-Antrieb zum Auto des Jahres, die Kunden kaufen in Scharen Corollas und eben den Prius. Die Japaner, so scheint es, konnten in diesem Jahr gar nichts falsch machen. Eindeutig ein Top im abgelaufenen Jahr. Dagegen kämpft Mitsubishi hier zu Lande mit Problemen. Nachdem Mercedes sein finanzielles Engagement bei den Japanern nicht weiter ausgebaut hat, versucht Mitsubishi allein seine Strukturprobleme in den Griff zu kriegen. Immerhin verkaufen die Japaner in Europa mittlerweile wieder viele Autos: Pech nur für Mitsubishi in Deutschland, dass viele Kunden glauben, der Konzern stände kurz vorm aus und somit keine Autos kaufen.

Ob der Dacia Logan ein Top oder ein Flop wird, ist noch nicht raus. Das Billigauto lockt mit magerer Ausstattung auch hierzulande Kunden an, die bislang vielleicht einen richtigen Renault gekauft hätten. Andererseits spart man die teuren Rabatte, mit denen gerade die Franzosen sich bislang Marktanteile zukaufen konnten. Mehr zur Kategorie Flop scheint auch die Umbenennung von Daewoo in Chevrolet zu gehören. Vor nicht ganz zehn Jahren wurde die Marke mit zweistelligen Millionenbeträgen platziert, jetzt soll eine amerikanische Marke den koreanischen Namen ersetzen, dabei ist Chevrolet hierzulande eigentlich nur aus Filmen und Krimis bekannt in denen die Helden alten Chevys fahren. Hat jemand eigentlich schon einmal einen neuen Chevy gefahren?

Eher zu den Flops zählt in diesem Jahr auch VW. Der Golf läuft einfach nicht so rund wie geplant und es mangelt nach wie vor an emotionalen Modellen. Der neue Golf GTI könnte die Lücke füllen. Was seinen Vorgängern nie gelungen ist, meistert der neue mit mehr Leistung und einer gelungenen Werbekampagne. Wie dieses Konzept ankommt, sieht man aber erst im neuen Jahr. Das Problem der bestehenden Überkapazitäten wird durch einen erfolgreichen GTI auch nicht behoben. Aber es kommen ja neue Modelle in 2005.

Ein richtiger Flop waren die Dreiventil-Motoren von Mercedes nicht. Trotzdem stellen die Stuttgarter die Produktion dieser Motorenfamilie nach nur einer Generation wieder ein und bekennen sich zum neuen Vierventiler mit mehr Leistung und weniger Verbrauch.

Apropos Verbrauch: Kraftstoffkosten nerven die Autofahrer. Die Preise für Diesel und Benzin erreichten dieses Jahr bisher undenkbare Höhen. Und es sieht nicht danach aus, dass das hohe Preisniveau so schnell wieder sinkt. Eindeutig ein Flop.

Weniger Verbrauchen und Geld sparen ist dafür Top: Erdgas und Autogas locken Autofahrer angesichts der hohen Treibstoffkosten. Dank steuerlicher Begünstigungen bis 2020 beziehungsweise bis mindestens 2009 können die Autofahrer ordentlich Gas geben und sich beim bezahlen an der Tankstelle freuen. Meistens haben sich die Mehrkosten für eine Umrüstung oder den höheren Anschaffungspreis schnell amortisiert.

(Text: Elfriede Munsch/Günter Weigel)

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