Mein Tagebuch der Tour de France 2019 (1)

„Meine“ 22. Tour de France begann am Samstag um 5 Uhr morgens, als ich den Starterknopf meines Kia ceed Station Wagon betätigte. Der 136 PS starke Selbstzünder wird mich die nächsten drei Wochen durch Belgien und Frankreich begleiten.

Die Tour-Organisatoren hatten sich für den sogenannten „Grand départ“, also den Start und die ersten von insgesamt 20 Etappen, in diesem Jahr Brüssel ausgesucht. Zu Ehren des belgischen Radsport-Idols Eddy Merckx, dessen erster von fünf Tour-Siegen sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt. Durch die Eifel und die Ardennen führte mich der Weg über den Brüsseler Ring Richtung Expo und Atomium an die sogenannte „Permanence“. Dort sind an jedem Etappenort die gesamte Tour-Organisation und der „salle de presse“ untergebracht. Im „salle de presse“ gehen ein paar Hundert schreibende Journalisten aus aller Welt ihrer Arbeit nach.

In diesem Pressesaal sind riesige Bildschirme installiert, auf denen wir den Verlauf der Tour-Etappen verfolgen können. Dort läuft auch nach der Zielankunft das sogenannte „Flash-Interview“ mit dem Etappensieger. Gerne hätte ich auch ein paar Bilder aus diesem gigantischen „Büro“ angefügt, aber die Tour-Organisatoren haben im Inneren das Fotografieren und Videografieren inklusive Weiterverbreitung strikt verboten. Jedes der 22 Teams ist mit einer eigenen Kommunikation ausgestattet, deren Mitglieder via Newsletter alle Infos sofort nach dem Ende der Etappe Stimmen von Fahrern oder Teamchefs an die Tour-Orga weitergeben. An diesen Newsletter können sich alle akkreditierten Journalisten „hängen“ und sind somit sofort bestens versorgt.

Als ich am Samstagmorgen, nachdem ich zuvor bei der „retrait des accreditations“, meine Akkreditierung abgeholt hatte, mir dort einen Platz suchte, musste ich unwillkürlich an meine erste Tour de France als Berichterstatter 1998 denken. Und natürlich an die damaligen Begleitumstände der Nachrichten-Übermittlung. Einige Kolleginnen und Kollegen waren bereits mit Laptops ausgestattet. Ich war noch, heute unvorstellbar, mit meiner kleinen Reise-Schreibmaschine unterwegs. Einige andere Kollegen auch. Das war eine ziemliche Klapperei in dem großen Saal. Die ausgedruckten Textseiten gab ich dann über eine Telefax-Leitung weiter, an der alle, wirklich alle, Kolleginnen und Kollegen weltweit hingen.

Das war jedes Mal ein Zitterspiel, bis man endlich einen Zugang zu den Faxgeräten hatte. Den musste man sich vorher noch bei einer der freundlichen Damen und Herren in der Permanence besorgen. Gegen Bezahlung, versteht sich. Und dann die bange Frage, ob die Leitung denn nun auch stehen und während der Übermittlung nicht abbrechen würde. Ich weiß heute nicht mehr wie, aber alle meine Texte haben es in den beiden ersten Jahren geschafft, auf diesem Weg zu den Redaktionen zu kommen. Danach war dann auch für mich das Zeitalter der klappernden Schreibmaschinen vorbei. Die Bluetooth-Verbindungen der ersten Jahre während der Übermittlungen waren allerdings auch nicht dazu geeignet, das Nervenkostüm durch die „Standfestigkeit der Nachrichtentechnik“ zu beruhigen.

Es hatte sich, bevor an diesem Samstag die erste Etappe gestartet wurde, aber noch sehr viel mehr verändert seit Ende des vergangenen Jahrhunderts. Als ich das erste Mal dabei war, war es noch üblich, dass in dem riesigen „salle de presse“ geraucht wurde. Und auch in punkto Mobilität ist mittlerweile vieles den Verhältnissen angepasst. Die offiziellen Fahrzeuge der Tour, und auch die der begleitenden Journalisten, müssen eine bestimmte Schadstoff-Stufe erfüllen. Und, siehe da, vor der Permanence waren in diesem Jahr zum ersten Mal auch zwei Schnelllade-Stationen für Stromer sowie eine Sammelstellte für E-Bikes angebracht. Die Zeiten ändern sich halt in mehr als zwei Jahrzehnten.

Demnächst mehr an Eindrücken und Erlebnissen von unterwegs.

Fotos: Jürgen C. Braun