Techno Classica: „Schön und reich auf Rädern“

Alt, aber nicht altbacken. Oldtimer, aber nicht old school: TC. Zwei Buchstaben, die für die ganze faszinierende Welt klassischer Automobile stehen. Für eine Welt, die stellvertretend vom millionenschweren Rolls Royce bis hin zum kleinsten Schräubchen eines längst vergessen geglaubten automobilen Prachtstücks alles bereit hält.

Reminiszenzen aus einer Welt, in der über Anlasser statt Algorithmen, über Nockenwellen und Einspritzpumpen statt über Ladesäulen-Infrastruktur und Lithium-Ionen-Akkus gesprochen wurde.

Ein Blick also zurück in eine Zeit, die man die „gute alte“ nennt? Vielleicht ja, aber beileibe nicht nur. Auf jeden Fall aber ist die „TC“, genauer gesagt: die „Techno Classica“ in Essen, eine wunderbare emotionale Zeitreise im und mit dem Automobil aus seinen frühesten Anfängen heraus bis heute. Sie ist der Blick in eine Welt, die sich nicht nur um alte, meist teure Autos, dreht. Sondern um alles, was zu unserer Mobilität – und zu der unserer Väter und Mütter, unserer Großväter und Großmütter – gehört.

Die Techno Classica, vor 30 Jahren (1989) zum ersten Mal ins Leben gerufen, ist nicht nur die größte Oldtimer-Messe der Welt. Mit Classic Cars, Old- und Youngtimern vom sündhaft teuren Bentley oder Ferrari aus der Firmengeschichte bis hin zum Golf I für ein paar Tausender aus dem Jahr 1976.  Sie ist Treff für Gleichgesinnte und für Markenclubs. Sie ist Marktplatz für Teile, Zubehör, Kunst und Kitsch. Kurzum: Sie zeigt alles das, was die Welt des (alten) Automobils so faszinierend macht.

Was bieten die vielen Hallen und die Außengelände mit den Schnäppchen-Märkten des Chrom-, Blech- und Ledertempels in der Ruhrmetropole Essen in diesem Jahr an Besonderem? Was sollte man sich nicht entgehen lassen, welche Jubiläums-Derivate werden gezeigt? Welcher Hersteller hat was aus einer Klassikabteilung mitgebracht? Es ist ein Rundgang ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Denn den kann es bei der schier unüberschaubaren Vielzahl der Exponate nicht geben.

Die hohe Kunst des Baus formschöner und leistungsstarker Automobile von jenseits des Appenin präsentiert FCA Heritage, die Klassikabteilung von Fiat Chrysler Automobiles. Alfa Romeo, seit Saison-Beginn mit eigenem Team wieder zurück in der Formel 1, zeigt als ultimatives Highlight den Tipo 159 „Alfetta”, mit dem Juan Manuel Fangio 1951 Weltmeister wurde. Bei Abarth sieht man genau jenen Fiat 500 aus dem Jahr 1958, mit dem Carlo Abarth die Welt des Skorpions erschuf. Einst nur getunte Fiat-Modelle, wurde daraus die wohl spektakulärste Marke von Rennfahrzeugen für den „kleinen Mann.“

Mercedes-Benz glänzt unter anderem mit einem der seltenen C 111-Versuchsfahrzeuge und dem 540 K Cabriolet A. Kenner rechnen auf der Sotheby’s Auktion mit einem Preis von weit über zwei Millionen Euro. Der Münchener Autobauer gewährt einen Blick auf die Produktionen der aufregenden Veritas BMW Rennsport-Geschichte. Diverse „Bond-Autos“ aus der scheinbar unendlichen Geschichte von „007 im Geheimdienst Ihrer Majestät“ gehören ebenso dazu wie ein „Concours d’Elegance“ mit betörend schönen Fahrzeugen und dem kleinen, aber sehr aussagekräftigen Hinweis an der Windschutzscheibe „Preis auf Anfrage.“ Da geht es dann leicht bis ins Siebenstellige hinein.

Doch die Techno Classica ist beileibe kein Jahrestreffen des „Clubs der Millionäre.“ Die Lust am und das Wissen um das Automobil verbindet über Kontinente und Geldbeutel hinweg. Die „TC“ bietet einfach alles: Sie lädt ein zum Schlendern, zum Genießen, zum Staunen. Auch in dem Wissen, dass Träumen erlaubt ist, aber nicht mehr. Und sie ist ebenso eine Plattform für Händler, für Spekulanten, für diejenige, die im Geschäft mit den teuren Oldtimern am ganz großen Rad drehen.

Ihre Vielseitigkeit macht ihre ganze Faszination aus. Das war so zum ersten Mal im Jahr 1989, das ist heute, 30 Jahre später, genauso. Und dabei wird es auch bleiben.

Infos und Hinweise für Besucher:

Die Techno Classica belegt in diesem Jahr rund um das Essener Messegelände auf über 120.000 Quadratmetern insgesamt 21 Hallen und vier Außenbereiche. Im vergangenen Jahr wurden von mehr als 1200 Ausstellern aus mehr als 30 über 2500 Oldtimer gezeigt. Viele davon standen zum Verkauf. Hinweise im Internet. www.siha.de