F1: Das „Quadrifoglio verde“ ist wieder da

Wer am Nürburgring durch das alte Fahrerlager hindurch auf das Gelände der neuen Grandprix-Strecke gelangen will, muss unweigerlich an ihm vorbei. Juan Manuel Fangio, dem fünfmaligen Formel-1-Weltmeister aus Argentinien, steht als lebensgroße Skulptur – natürlich gemeinsam mit einem Renner aus den Anfangsjahren der Formel 1 – wie eine ewige Erinnerung an die frühen Jahre der „Königsklasse des Motorsports“ und eines ihrer größten Protagonisten zwischen Bundesstraße und Kassenhäuschen. Fangios Name und sein legendärer Ruf stehen nicht nur für seine Erfolge, sondern auch für seine Vielseitigkeit und seine Aura. Am kommenden Wochenende wird man seiner, aus ganz besonderem Anlass, wieder gedenken können.

Denn erstmals seit mittlerweile 34 Jahren wird am kommenden Wochenende zu Beginn der Formel-1-Saison in Australien eines der ruhmreichsten und Motorsport-affinsten Automobilwerke wieder vertreten sein, wenn rund um den Erdball die Herren Hamilton, Vettel und Co. in 21 Rennen um WM-Punkte fahren. Schon in den Gründerjahren hatte Fangio ins Lenkrad gegriffen und gemeinsam mit Giuseppe Farina 1950 und 1951 den Weltmeistertitel für die Anonima Lombarda Fabrica Automobili nach Italien geholt. Unter dem Kürzel Alfa Romeo standen die italienischen Boliden nicht nur auf den Straßen für besonders sportliche Fabrikate, sondern gehörten auch jahrzehntelang zum weltweiten Motorsport-Zirkus.

Das Mailänder Traditionsunternehmen Alfa Romeo wird also nach 34 Jahren Absenz wieder mit von der Partie sein, wenn die Ampeln von Rot auf Grün springen. Keine Geringereren als Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen und der italienische Ferrari-Junior Antonio Giovinazzi werden die beiden Fahrzeuge pilotieren, die die Herzen der zahlreichen „Alfisti“ höher schlagen lassen.

Dabei steckt – zumindest noch – mehr Sauber als Alfa Romeo in den Rennern, auf denen prominent und weithin sichtbar das Firmenlogo prangt: Das „Quadrifoglio verde“, also das grüne vierblättrige Kleeblatt. Bereits im vergangenen Jahr hatte es eine Kooperation zwischen dem zum Fiat/Chrysler-Konzern gehörenden Alfa-Romeo-Team gegeben. Quasi als Aufbau für 2019, denn damals grüßte das Kleeblatt noch eher „verschämt“ von der Seite der Airbox.

Der neue C38, so der Name des Alfa-Romeo-Boliden in seiner Comeback-Saison offenbart immer noch seine alten Schweizer Gene aus dem Hause Sauber. Das „C“ ist der Anfangsbuchstabe von Christina Sauber, der Ehefrau des langjährigen Firmeninhabers Peter Sauber. Die Italiener haben die Gunst der Stunde ihres Wiedereintritts genutzt und sich das neue Reglement bei der Gestaltung ihres Renners zunutze gemacht. Denn auch für die Frontflügel gibt es 2019 neue Regeln und mit dem Frontflügel des C38 hat Alfa Romeo ein Design geschaffen, das im Formel-1-Feld momentan durch seine Aggressivität auffällt. Das Ziel des Neulings nach dreieinhalb Jahrzehnten, so wird der französische Teamchef Frederic Vasseur zitiert, soll wie zu Sauber-Zeiten sein, „weiterhin an der Spitze des Mittelfeldes zu kämpfen.“

Das erste Rennen am Wochenende wird zumindest eine Vorahnung dessen liefern, was das grüne Kleeblatt in dieser Saison bereits zu leisten vermag.

Fotos: Jürgen C. Braun