Online-Upgrades fürs Auto: Sonderausstattung aus dem Netz

Von Computerspielen ist das Prinzip schon länger bekannt, nun bietet Mercedes für seine Fahrzeuge Onlineupgrades an. Sonderausstattung lässt sich bei der A-Klasse aus dem Netz herunterladen.

Upgrade übers Internet: Mercedes bietet für die A-Klasse ab sofort Infotainment-Ausstattung zum Download an. So lassen sich etwa Digitalradio, Navigationsdienste oder ein handybasierter Schlüssel auch nach Kauf und Auslieferung des Fahrzeugs noch an Bord bringen. Insgesamt elf Optionen stehen derzeit im „Mercedes Me“-Online-Store zur Wahl, zunächst allerdings nur für die A-Klasse. Die B-Klasse und das SUV-Modell GLE folgen nach ihrer Markteinführung im Laufe des Jahres – weitere Modelle, sobald das aktuelle Infotainmentsystem MBUX an Bord kommt.

Das Prinzip der herunterladbaren Extras ist bislang vor allem aus der Software-Branche bekannt, wo sogenannte DLC-Erweiterungen („downloadable content“) vor allem bei Computerspielen gängig sind. Neben der Bereitstellung von zusätzlichem Datenmaterial ist auch das nachträgliche Freischalten von Funktionen beliebt, die im Auslieferungszustand zwar bereits vorhanden, jedoch aufgrund einer elektronischen Sperre noch nicht nutzbar sind. Derartige Rumpf-Produkte werden gelegentlich „Crippleware“ genannt.

Auch in der Autobranche ist DLC nichts Neues. So bot Tesla sein E-Auto Model S zwischen 2016 und 2017 in der Basisversion S60 an, die sich vom teureren S75 lediglich durch eine geringere Reichweite unterscheidet. Der Akku war in beiden Fällen aber der gleiche, nur wurde er beim S60 gedrosselt. Wer einen größeren Energievorrat wollte, konnte die Software-Sperre gegen Nachzahlung des Differenzbetrags zum S75 lösen – musste aber zusätzlich einen „Verspätungszuschlag“ von 500 Dollar zahlen.

Das Preismodell von Mercedes scheint fairer: So kostet das Digitalradio-Upgrade mit 238 Euro genauso viel wie die Ausstattung ab Werk, auch die Smartphone-Integration ist für den gleichen Preis wie im Neuwagen-Katalog zu haben. Darüber hinaus finden sich im Onlineshop allerdings auch Extras, die es beim Händler nicht ohne weiteres gibt, etwa spezielle Navigationsdienste (ab 59 Euro) oder ein digitaler Fahrzeugschlüssel, der das Türöffnen per Mobiltelefon erlaubt (39 Euro).

Mercedes wirbt, das Angebot sei vor allem dann attraktiv, wenn der Kunde vergessen habe, eine Sonderausstattung ab Werk zu bestellen. Auch für Zweit- und Drittbesitzer sei dies eine gute Möglichkeit, ihr Auto individuell ihren Wünschen anzupassen. Für die Autohersteller hingegen ist die Technik eine Möglichkeit, auch nach dem Verkauf des Fahrzeugs noch an der Ausstattung mitzuverdienen.

Kein Wunder, dass die Online-Nachrüstung auch für andere Hersteller attraktiv ist. So hat unter anderem Audi bereits angekündigt, dass Käufer des im Frühjahr startenden Elektro-SUVs E-Tron erstmals Funktionen flexibel online hinzubuchen können. Im Angebot sollen unter anderem Upgrades für das Bord-Infotainment oder die Assistenzsysteme sein. Die Freischaltung kann für einen begrenzten Zeitraum, etwa eine Urlaubsreise, oder auch dauerhaft gebucht werden. Insgesamt will die Marke bis 2025 mit digitalen Diensten über das Kundenportal „myAudi“ einen jährlichen Beitrag von einer Milliarde Euro zum operativen Ergebnis erzielen.

Das Geschäft mit DLCs dürfte schon bald Standard auch bei anderen Marken sein. Denn die Anwendungsmöglichkeiten für Online-Features sind nahezu unbegrenzt. Von Navi- oder Reiseführerdaten für die nächste Urlaubsfahrt über neue Grafik-Skins für den Tacho-Bildschirm bis hin zu autonomen Fahrfunktionen für längere Touren reichen die möglichen Angebote. Künstliche Motorsounds für den Innenraum, neue Verwöhnprogramme für die Massagesitze oder Projektionsmotive für künftige leistungsfähige Scheinwerfer sind die verspielteren Alternativen.

Foto: Daimler