Dakar 2019: Eine Nachlese

Die größte Offroad-Veranstaltung der Welt gehört seit vier Tagen der Vergangenheit an. Bereits im Vorfeld, seit Frühjahr 2018, hatten die Veranstalter von ASO (Amaury Sport Organisation) Probleme mit mehreren Faktoren: Wo wird sie stattfinden, wie lange wird sie dauern, wie wird die Finanzierung gestemmt?

Ehemalige Länder wie Argentinien, Chile, Bolivien und Paraguay winkten aus finanziellen Gründen ab. Blieb Peru, das auch nicht gerade zu den prosperierenden Nationen Südamerikas zählt. Die Verhandlungen zwischen ASO und den dortigen Ministerien waren zäh. Und ASO wollte zu wenig an das Land für dessen Gastgeberfunktion bezahlen. ASO wird geführt von Madame Amaury, einer ziemlich resoluten älteren Dame, die für ihr Unternehmen auf Heller und Pfennig größten Wert legt (ASO führt u.a .auch die “Tour de France durch). Schmerzhafte Kompromisse waren angesagt auf beiden Seiten. Die Zeit lief weiter und es wurde immer enger für die Teams, noch rechtzeitig Technik und Sponsoren pünktlich zusammenzuführen. Sicher einer der Gründe, warum heuer die Teilnehmerzahl sichtlich geringer war als in den Vorjahren.

Also: Peru hatte den Zuschlag bekommen. ASO verkürzte die Strecke um vier auf zehn Tage und um etwa 3.000 Kilometer. Damit es nicht zu langweilig wurde, gab es statt der fehlenden Streckenabschnitte neue Passagen zwischen Pazifik und Anden: Die Pulversanddünen von Ica gehörten dazu und sorgten für viele Ausfälle. Diese Dünen zeugten nicht nur von feinstem Staub, sondern auch von beträchtlicher Höhe und Länge.

Toyota war mit drei Werks-Gazoo-Hilux-Pickups angetreten, die von Al-Attiyah, de Villiers und ten Brinke pilotiert wurden. Hauptgegner X-raid kam mit drei John Cooper Works-Mini-Buggys in den Händen von Peterhansel, Sainz und Despres, dazu ein Geschwader von fünf JCW Mini 4×4. Das junge französische PH-Privat-Team mit Sébastien Loeb und zwei weiteren routinierten Fahrern, die den etwas betagteren Peugeot 3008 Maxi aus dem Vorjahr fuhren. Wer sollte gegen diese massive Phalanx angehen können?

Es zeigte sich bei den zehn Etappen, dass ausgerechnet die “alten Herren”, die zusammen 15 Autosiege bei der Dakar aufwiesen, erstaunlich viele Fehler machten und der Reihe nach strauchelten. Dafür zeigten jüngere Teams, die zudem mit weniger Etatmitteln ausgestattet waren, Hirn und Herz – und ihre Mechaniker solide Arbeit. Statt in Zukunft nur noch auf finanzstarke Werks- oder Semiwerks-Teams zu setzen, wäre es wohl das klügere Konzept, auch mehr private Teams mit geringeren Teilnahmetarifen zu ködern. Das wäre auch ehrlicher. Sicher will da ASO nicht so mitziehen. Außerdem sollten diese unsinnig langen Verbindungsetappen entfallen und den Teams stattdessen mehr Erholungszeit erlaubt werden. Dann ließen sich auch wieder 14 Tage “durchziehen”, ohne dass gesundheitliche Probleme die Ergebnisse beeinflussen. Starke Fahrerteams wie die von Fuchs, Domzala, Prokop, Ourednicek, Chabot oder Serrandoni hätten dann auch Chancen auf bessere Platzierungen.

Rein altersmäßig zählt der diesjährige Gesamtsieger Nasser Al-Attiyah noch zu den “best agern”, aber auch er wird sich in Zukunft jüngerer Teams erwehren müssen, wenn diese die besseren Etats aufbringen können. Vielleicht war diese Dakar auch die letzte ihrer Art nach “klassischem Zuschnitt”, auch vielleicht die letzte in Südamerika, da alleine die Transportkosten in transzendentale Höhen ausgeartet sind. Erste Kontakte zwischen ASO und der Regierung von Algerien hatten schon stattgefunden. Wenn es denn so käme, würde sich der dramaturgische Ring unter dem Motto “Back to Africa” schließen. So mancher würde gerne darauf wetten.

Bilder: Teams

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