Dakar 2019: Grande Finale mit Toyota-Sieg

Helle Freude beim Toyota Gazoo-Team aus Südafrika. Nach schier endlosen Jahren mit zweiten, dritten und vierten Plätzen hat der Qatari Nasser Al-Attiyah mit seinem französischen Beifahrer Mathieu Baumel für die ganz große Freude und Erleichterung im Team von Teamchef Glyn Hall gesorgt.

Und die Konkurrenz war wahrlich nicht gering, andere Teilnehmer zählten zu eigentlichen Top- Favoriten: Peterhansel und Sainz auf den Mini Buggys sowie deren Teamgenosse Cyril Despres. Etwas unterschätzt wurde Sebastian Loeb auf einem Peugeot 3008 DKR, der aus privater Hand gemeldet war, allerdings auf dem Entwicklungsstand von 2017/2018. Loeb war bei dieser Dakar der absolute “Tagesbesten-Sieger”, hatte jedoch auch mit Tiefsand, kleineren Pannen und seinem Temperament so seine Problemchen. Sonst wäre er ziemlich locker noch auf Rang 2 statt 3 gefahren.

Die rundeste Leistung brachte Al-Attiyah, bei dem so ziemlich alles stimmig war: Die Technik ließ ihn nicht im Stich, seine Erfahrung half ihm, sein Temperament hatte er jede Minute im Griff. Im Prinzip lässt sich sagen, dass sich ein Großteil der ehedem zu Favoriten hochgelobten Spitzenfahrer selbst eliminierte. Zu viele Fahrfehler und Fehleinschätzungen führten zu teils beträchtlichen Zeitverlusten. Und alle schoben es auf die enorme Härte der Strecken, zu viel Pulversand, zu steilen Dünen oder zu schwer zu findenden Wegpunkten. Schlicht gesagt: die Navigation sei zu schwer gewesen.

Aber das galt eben für alle! Bei Toyota hatte sich ten Brinke erst kurz vor Ende verabschiedet, de Villiers kämpfte mit Elektrik-Würmern und fuhr sich auch öfters fest. Da wäre mehr drin gewesen als ein neunter Platz. Dann zum X-raid-Team: Acht Fahrzeuge, davon drei Mini Buggys, die mit Spitzenpiloten und Dakarsiegern besetzt waren: Sainz, Peterhansel und Despres. Keiner fuhr “schlecht”, aber alle kämpften mit etlichen Unzulänglichkeiten, fielen vorzeitig zurück, holten wieder enorm auf, kämpften gar um die Spitze mit. Peterhansels Duelle vor der Halbzeit mit Nasser Al-Attiyah sind zur Legende geworden, im hautengen Geschwaderflug, Seite an Seite. Dann kam für den Meister aller Dakarteilnehmer schlagartig das Aus, als er stumpf in eine fast lotrechte Düne einschlug und Co-Pilot David Castera ohne Ankündigung eine heftige Wirbelstauchung erlitt. Das war bitter, man lag auf Rang 2. Die allradgetriebenen JCW-Mini Rally, gleich deren fünf an der Zahl, machten noch das Beste draus: Nani Roma überzeugte einmal mehr durch Umsicht, Feingefühl und auch Schnelligkeit, er fightete munter mit zwischen den schnellen Buggys. Sein zweiter Platz ist ebenso honorabel wie verdient. Jakub Przygonski, der Teamkollege, segelte haarscharf am 3. Platz vorbei, nur wenig hinter Loeb, der auf dem Peugeot das Trio auf dem Podest ergänzte. Despres war noch der beste Mini Buggy-Treiber, aber sein 5. Platz wird ihn und seinen Chef nicht allzu sehr erfreuen. Schnell sind sie ja, diese Zweiradler, wenn aber Technik-Gremlins und Fahrfehler zusammentreffen, ist das keine gute Melange. Ähnliches trifft auch auf Sainz zu.

Mehr als beachtlich ist das Abschneiden des Privatteams von Martin Prokop, der seinen bärenstarken und entsprechend lauten Ford F 150-Pickup sicher und gekonnt durch Tiefsand, über hohe Dünen und durch tiefe Löcher zirkelte. Sein sechster Platz sollte für zahlreiche neue und finanzkräftige Sponsoren sorgen können, er hat es wahrlich verdient.

Eine Betrachtung mit vielen kritischen Anmerkungen zum Konzept der Dakar folgt hier in der nächsten Woche.

Fotos: Teams