Dakar 2019 – Tag 9: “Super-Gau” für Peterhansel

Sie alle ahnten es, viele wussten es: die Dünen von Ica werden die Rallye mit entscheiden. Die bildeten zu 70% den Rundkurs um Pisco: hoch, steil, pulvrig. Bereits bei Kilometer 26 landet Peterhansel (Mini Buggy) nach einem Sprung im Nirwana der Sandlandschaft, schlägt stumpf und hart frontal ein. Copilot David Castera war gerade ins Roadbook vertieft, ihn traf der Schlag völlig unvorbereitet: schmerzhafte Stauchung der Rückenpartie, Krankenhaus. Aus die Maus.

Loeb hatte losgelegt als gäbe es kein Morgen. Das ging erstaunlich lange gut, aber nur bis KM 276. Eine Panne kostete ihn dann satte 20 Minuten. Die kleinen Diesel-Mini von Roma, Przygonski, Al Rajhi machten dahinter richtig Alarm. Um 10:11 Uhr stehen Sainz (Mini Buggy) und Ten Brinke (Gazoo Toyota) noch immer am Start, während die Konkurrenz sich schon inmitten der WP 1 befindet. Auch das kann à la longue nicht gut gehen. Ten Brinke scheidet schließlich ganz aus. Sainz hetzt hinter dem Feld her und wird am Ende nur 41.

Despres auf dem zweiten verbliebenen Mini Buggy, weicht einem Motorradfahrer im allerletzten Moment in den Dünen aus und kippt um. Konkurrent Martin Prokop (Ford F 150) hält an, hilft beim Aufrichten, verliert selbst Zeit. Auch das gibt es noch! Benediktas Vanagas aus Vilnius/Litauen treibt seinen privat aufgebauten Toyota Hilux mit Herz und Hirn durch die Ica-Wüste wird Tages-Fünfter und kommt unter die besten Zehn in der großen Summierung! Wohl das beste Team im dichten Nebel, dabei scherzen die beiden Insassen selbst bei 180 “Sachen” im Tiefsand noch! Gekonnt, einfach spitze.

Es wurden hier Opfer gebracht, das Klassement durcheinander gewirbelt, die Motoren drehen fast permanent im obersten Drehzahlbereich. Und dennoch: kaum Motorschäden, weder bei den Benzinern noch bei den Dieseln. Beachtlich. Und die Meinung der Fahrer-Teams: “… der schwerste Tag bis jetzt, teuflisch, 70% Tiefsand und steile, hohe Dünen…”, “… in den Dünentälern vertrackte Navigation, immer wieder im Kreis gefahren…”.

OK, hier wurden also Substanz und Zeiten verloren, aber es gab auch Teams, die da bestens durch kamen. Al Attiyah zum Beispiel, der zwar auch ein paar mal kleinere Kreiseleinlagen drehte, Nani Roma auf einem exzellenten 2. Platz heute und im Gesamtbild, Giniel de Villiers, der von ziemlich weit hinten sogar auf Rang 3 fuhr an diesem Tag, die “Underdogs” Vanagas und Prokop, ja sogar der Russe Krotov, der einen betagteren MiniAll4 von Vasilyev abgekauft hatte und Neunter wurde. Vasilyev hatte vor etlichen Monaten auf Toyoto Hilux umgesattelt, war da diesmal schon draußen.

Bis zu 8(!) Stunden Zeitdifferenz an diesem Tag zwischen dem Ersten und dem Zehnten. Wenn sich mehrere um ein Top-Klassement streiten, freuen sich die Hintermänner. So geschehen auch am vorletzten Tag. Ob am Finaltag auf dem Weg von Pisco zurück zum Startort Lima entlang der Pazifik-Küste nochmals solche Ereignisse eintreten? Wir werden sehen und Sie, verehrte Leser, werden es morgen hautnah mitbekommen.

Bilder: ASO, Teams