Dakar 2019 – Tag 5: Wird es ein Drei-, Vier- oder Fünfkampf?

Bislang ist keiner der Spitzenkandidaten ohne zumindest einen großen Zeitverlust über die ersten sechs Runden gekommen. Eigentlich ist jeder von ihnen schon einmal in ein tiefes Sandloch gefallen.

Die fünfte Etappe führte bis zum Wochenend-Camp bei Arequipa, wo ein sogenannter Ruhetag anstand. Für die Mechaniker hieß es, alle Fahrzeuge zu strippen, zu kontrollieren, Ersatzteile einzubauen, um für die zweite Hälfte – zurück Richtung Lima – wieder optimal gerüstet zu sein. Fahrer gaben Interviews, Co-Piloten befassten sich intensiv mit dem Roadbook. Was brachte dieser Tag?

Ten Brinke (Gazoo-Toyota) baute einen Unfall, der ihn auf Rang 43 zurück warf. Danach überholte er auf einer Etappe 30 (!) Gegner. Auch Al-Rajhi (Mini JWC) fasste gleich deren 47 Minuten: er fiel ins gut sortierte Mittelfeld zurück. Peterhansel (Mini Buggy) duellierte sich weiter munter und bis an die Schmerzgrenzen mit Al-Attyah (Gazoo-Toyota). Am Tagesende standen drei Fahrer auf drei unterschiedlichen Marken auf dem Podest. Ein schönes Bild, das auch ein wenig die Ausgeglichenheit der Kombattanten symbolisierte.

Nach dem Ruhetag ging es am Sonntag in die Nr. 6, Richtung Lima. Erst einmal mussten die gefürchteten Tiefsanddünen von Tanaca bewältigt werden. Da ging es dann richtig los: hier verlor Peterhansel fette 22 Minuten. Das könnte ihn wohl auch den letzten Funken Hoffnung auf einen Sieg gekostet haben. Al-Attyah tobte nach dem Start wie gewohnt los, als gäbe es kein Morgen. Warum wohl? Loeb (Peugeot 3008 DKR) griff an und setzte eigentlich allen zu. Der Weg nach San Juan de Marcona war auch noch mit anderen Schikanen gepflastert, z.B. mit scharfkantigem Felsgranulat. Loeb trieb den Alt-Peugeot und sich selbst zu Höchstleistungen und zum Tagesrang Nr. 1. Dem Qatari nahm er damit aber auch nur 02:17 Minuten ab. Merke: Es ist nie eine gute Idee, den Herrn aus dem Scheichtum zu reizen oder gar zu provozieren. Der beißt zurück.

Nani Roma (JCW Mini) lässt sich durch solche Spielchen nicht irritieren, fährt einen sauberen “Strich”, ist fast immer schnell und macht nur wenige Fehler. Das bringt ihn sehr weit nach vorne, derzeit auf Gesamtrang 4. Toyota Overdrive-Pilot Domzala, unter den besten 10 inzwischen, musste aufgeben. Dafür brilliert der Privatfahrer Martin Prokop auf seinem Ford F150-V8 und liegt bereits auf Rang 7! Soweit ist lange kein Privatier mehr gekommen!

Da Loeb ja ein stattliches Minus mit in die Nr. 6 gebracht hatte, verringerte sich sein Rückstand auf Al-Attyah nur auf gute 37 Minuten. Peterhansel fällt auf den dritten Platz zurück, weist aber nur 3,5 Minuten auf Loeb auf. Machbar sollte es zumindest sein, Platz 2 zu erreichen und zu festigen. Die ehemaligen Mitfavoriten Sainz (Mini Buggy) und de Villiers (Gazoo-Toyota) liegen bereits mehrere Stunden zurück, kämpfen aber weiter, um wenigstens in die Top-Platzierungen zu kommen.

Fotos: Teams, Veranstalter