Dakar 2019 – Tag 4: Duell der Giganten

Nein, im Augenblick, also nach dem vierten Tag, sieht es nicht so aus, als könnten die Mitbewerber in den Zweikampf zwischen Nasser Al-Attyah (Gazoo Toyota) und Stéphane Peterhansel (Mini Buggy) erfolgreich eingreifen. Ob Sainz, de Villiers, ten Brinke, Despres oder Loeb ... sie alle haben durch Pannen, Fahrfehler und auch Pech zuviel Zeit auf den ersten Etappen eingebüßt.

Vorne tobt also ein Kampf der Giganten: Der Qatari Al-Attyah will unbedingt den dritten Sieg – Toyotas Teamchef Glyn Hall: “Alles andere wäre eine Niederlage” – und Peterhansel seinen 14. Gesamtsieg. Das hat natürlich Rasierklingen-Potential, denn nach der fünften Etappe ist erst Halbzeit. Dann wird in Tacna quasi gewendet und es geht (ohne Service) wieder Richtung Lima zurück.

Unerbittlich fighteten vorne die beiden, wobei es nicht nur ein rein persönliches Duell war: Es ist gleichzeitig ein Zweikampf zwischen Benziner und Diesel, zwischen 4×4 und 4×2 und Sechszylinder gegen Achtzylinder. Das bringt dann schon Gänsehaut-Atmosphäre ins tägliche Geschehen. Von 89 gestarteten Autos kamen nur noch 71 in Wertung ins Ziel, fast ein Drittel ist bereits ausgefallen.

Ten Brinke (Gazoo-Toyota) hatte einen ähnlichen Unfall wie zwei Tage zuvor Carlos Sainz: auch er traf einen im Fesh-Fesh (Feinstsand) verborgenen Felsen und zerstörte sein linkes Vorderrad. Der Zeitverlust war auch hier mit drei Stunden beträchtlich. Teamkollege de Villiers half ihm aus der Misere und verlor dabei erneut Zeit. Nur 01:52 Minuten verlor Peterhansel auf Nasser Al-Attyah indessen. Alle vier verbliebenen JCW Mini liegen in den Top-Ten! Nani Roma auf der 3, Przygonski auf 4, Al-Rajhi auf 5 und Boris Garafulic auf 9. Loeb auf dem besten Peugeot 3008 DKR weist bereits einen Rückstand von gut 50 Minuten auf, Teamkollege Harry Hunt liegt auf 11. Der zweite Mini Buggy mit Cyril Despres liegt knapp hinter Loeb auf dem siebten Gesamtrang, hat aber auch schon 50 Minuten minus.

Ein farbiger Tag also, aber ohne Tragödien. Peterhansel meinte im Ziel: “Heute haben wir uns etwas zurückgehalten wegen der kommenden Marathonetappe, denn wir beide (er selbst und Co David Castera) sind nicht wirklich gute Mechaniker”. Despres verlor nochmals Zeit, als er einer gestürzten Motorradfahrerin aus dem Gefahrenbereich half (Unfall im Sichtschatten hinter einer Düne!) … auch so etwas gibt es noch bei den Teilnehmern.

Es bleibt spannend, zumal sich keiner der beiden Führenden ein technisches Problem oder eine Unaufmerksamkeit leisten kann: sofort sind die lauernden Mitbewerber da, um den Platz einzunehmen …

Bilder: X-raid, Red Bull Contentpool